400 Ausseer stellen sich quer!

400 Ausseer stellen sich quer! © Alpenpost
Bürgerversammlung macht Widerstand gegen Plan B

Bad Aussee, 20. November 2025. – Der Winter zeigte sich an diesem Tag erstmals von seiner härtesten Seite – und lieferte damit ein eindrucksvolles Lehrstück: Während die Koppentalstraße aufgrund starken Schneefalls gesperrt war und die B145 zwischen Bad Goisern und Bad Ischl nach einem Unfall blockiert blieb, war das LKH Bad Ischl für das Ausseerland praktisch unerreichbar. Gleichzeitig befand sich der Notarzt bei einem Einsatz in Rottenmann, fast alle Rettungsfahrzeuge waren unterwegs.

Genau an diesem Abend kamen rund 400 Bürger im Ausseer Kur- und Congresshaus zusammen – weitere 100 online –, um ein starkes Zeichen für den Erhalt und die Weiterentwicklung des LKH Bad Aussee zu setzen. Die geschilderte Situation zeigte eindrucksvoll, wie fragil die medizinische Erreichbarkeit im Ausseerland im Winter ist. Dass es in den letzten Jahren mildere Winter gab, könne laut den Initiatoren nicht als Ausrede dienen, die Lage schönzureden.

„Herr Landeshauptmann, lassen Sie uns nicht im Stich“

Herbert Angerer eröffnete die Versammlung und begrüßte unter anderem SPÖ-Landesparteivorsitzenden Max Lercher und die vier Bürgermeister der Ausseerland-Gemeinden. Seine Botschaft an Landeshauptmann Mario Kunasek war unmissverständlich:
„Was mit Plan B angedacht ist, ist keine Weiterentwicklung, sondern eine Demontage unseres Hauses.“
Er erinnerte Kunasek an dessen Wahlkampfslogan „Euer Wille – mein Auftrag“ und forderte, diesen Auftrag nun auch umzusetzen.

Kritik an Graz: „Wir wurden noch nie geliebt“

In Richtung Gesundheitslandesrat Kornhäusl appellierte Angerer, sich klar zum Standort zu bekennen und die internistische sowie chirurgische Versorgung zu sichern. Die Stimmung in Graz sei bedrückend, man fühle sich dort „nicht gut aufgehoben“. Angerer kündigte an, sich mit anderen Regionen zu vernetzen – als gemeinsames Druckmittel.

Bürgermeister Loitzl: „Wir wurden hintergangen“

Bad Aussees Bürgermeister Gerald Loitzl betonte, dass der volle Saal das Gegenteil dessen zeige, was manche Landespolitiker behaupten. Nach konstruktiven Gesprächen im Juni sei man davon ausgegangen, eine Win-Win-Lösung gefunden zu haben – doch der Expertenrat habe eine bereits vorgefertigte Entscheidung präsentiert.
Die kurzfristige Verlegung eines zugesagten Treffens nach Rottenmann und die dortige Verkündung, dass Plan B fix komme, bezeichnete Loitzl als „Schlag ins Gesicht“. Die Unsicherheit für die Mitarbeitenden sei untragbar.

Max Lercher: „Das ist Wortbruch“

SPÖ-Chef Lercher erinnerte daran, dass Kunasek die Wahl mit dem Versprechen gewonnen habe, jeden Krankenhausstandort weiterzuentwickeln. Plan B tue genau das Gegenteil. Er kritisierte fehlende Versorgungsverträge mit Nachbarbundesländern und warnte vor massiven Risiken für die regionale Gesundheitsversorgung.
„Kämpfen wir für die wohnortnahe Versorgung – das ist kein Luxus, sondern Pflicht des Staates.“

Mediziner sprechen Klartext

Dr. Detlef Mager schilderte ein Beispiel, bei dem eine ältere Patientin nach einer Infusion wieder nach Hause geschickt werden musste – ein Vorgeschmack auf die Zukunft ohne volle 24/7-Versorgung.

Dr. Hans Petritsch ging noch weiter: Banale medizinische Leistungen wie etwa das Setzen eines Katheters müssten künftig außerhalb des Bezirks erfolgen. Plan B fahre die Versorgung „an die Wand“. Er forderte eine offene Diskussion über eine Bundeslösung.

Personalvertretung warnt: „Unter 100 Mitarbeiter – das wird ein Kahlschlag“

Zentralbetriebsrat Gerhard Wechtitsch listete auf, was laut Plan B wegfallen würde: Überwachungseinheit, OP, Labor, Röntgen – teils massiv eingeschränkt. Nur eine Remobilisationsstation mit etwa 23 Betten solle bleiben.
Die Personalreduktion von derzeit rund 170 auf deutlich unter 100 Mitarbeitende sei für Region wie Spital ein Schlag ins Mark.

Weitere Stimmen fordern Schulterschluss

Vertreter aus Stainach, Schladming und Rottenmann mahnten regionale Zusammenarbeit ein und sprachen sich gegen den Versuch aus, die Standorte gegeneinander auszuspielen.
Mehrere Redner kritisierten die Landespolitik scharf; manche stellten sogar die Frage, ob das Ausseerland gesundheitspolitisch nicht besser wieder zu Oberösterreich gehören sollte.

Klare Beschlüsse und nächste Schritte

Das Forum Pro LKH Bad Aussee kündigte an,

  • den RSG 2030 bis 12. Dezember zu bemängeln,
  • rechtliche Schritte gegen die drohende Unterversorgung zu prüfen,
  • und am 16. Dezember zu einem großen Protest vor der Grazer Burg aufzurufen.

Am Ende der Versammlung erhielt Herbert Angerer den klaren Auftrag, erneut nach Graz zu gehen – begleitet von tosendem Applaus der rund 400 Anwesenden.

Die Botschaft des Abends:
Das Ausseerland wird sein Krankenhaus nicht kampflos aufgeben.

Werbung

Werben auf BLO24

Sie haben Interesse auf unserer Plattform zu werben? Dann zögern Sie nicht und kontaktieren Sie uns unter +43 (0)664 222 66 00.