Wer arbeitet, bezahlt auch dafür
- verfasst von BLO24
- Fenstergucker
in denen der Kunde in „seinem" Geschäft von einer freundlichen Verkäuferin nach seinen Wünschen gefragt wurde und sich mitunter dabei ein netter Plausch entwickelte?
Heute macht er schon vielfach alles selber – im Supermarkt, wo das wenige und zudem wortkarge Personal hauptsächlich mit dem Einsortieren der Warenvielfalt in die vielen langen Regale und Kühltruhen beschäftigt ist.
Der ideale Konsument leistet eine Menge Arbeit, die bisher von den Unternehmen erbracht worden ist. So wird er schrittweise zum idealen Mitarbeiter des Einkaufstempels.
Immer wieder dieses Geräusch. Paradeiser – pieps, Tiefkühl-Spinat – pieps, Pizza, Butter, Brot – pieps, pieps, pieps. Der Mann „im besten Alter" weiß inzwischen, wie das geht. Er greift in den Einkaufskorb, sieht den Strichcode, lässt mit der rechen Hand langsam den Artikel über die Glasfläche gleiten, der Piepston gibt ihm recht – alles richtig gemacht! „Wollen Sie weitermachen?", fragt der Automat. „Ja", sagt der Mann, obwohl eigentlich niemand da ist, der ihm zuhört. „Abschluss & Zahlung" drücken, Plastikkarte rein, PIN eingeben, vielen Dank für ihren Einkauf. Sinnvoll ist das, findet der Kunde. Hier sei einer sein eigener Herr, keiner hetzte ihn, wie er das an der gewöhnlichen Kasse manchmal empfinde. Keiner schaue, was er denn so im Einkaufswagen habe. Und es gehe rascher.
Die Supermarkt-Betreiber sehen das Verhalten des Mannes als Bestätigung ihres Verkaufskonzepts. Vor allem jüngere Kunden ließen sich ohne weiteres zur Arbeitsteilung „erziehen", außerdem seien nur noch „billige" Arbeitskräfte auf Teilzeit für die Lagerarbeit erforderlich, bestätigen Geschäftsführer.
Es ist jedoch bereits auch ein gegenteiliger Trend bemerkbar. An Tankstellen beispielsweise werden Kraftfahrer bereits wieder öfter von freundlichen Mitarbeitern in sauberen Overalls bedient. Währenddessen kann im angegliederten Shop das Nötigste eingekauft oder im Café etwas Erfrischendes konsumiert werden. In kleineren Gemeinden machen wieder mehr „fahrende Händler", welche in regelmäßigen Zeitabständen sogar aus der Südsteiermark anreisen, Station und bieten ihre aus heimischer Produktion stammenden Lebensmittel, Obstsorten und Weine an. Die Kundenreihen vor dem mit einer aufklappbaren Theke ausgestatteten Bus werden ständig länger. Und auch die wachsende Anzahl von kleinen Bio-Läden in landwirtschaftlichen Betrieben oder von Bauernmärkten auf markanten Stadtplätzen kann sich sehen lassen. Einheimische und Urlauber wissen die gesellige Atmosphäre zu schätzen, mitunter werden sogar untereinander und mit dem Händler Kochrezepte ausgetauscht.
Handel ist Wandel heißt es. Jetzt müssten nur noch junge gelernte Einzelhändler in den Gemeinden den Mut haben, den spürbaren „neuen" Trend zu nutzen. Und die lokalen und regionalen Politiker sind aufgerufen, diesen Mut zu unterstützen und damit zu einer Wiederbelebung der da und dort leider schon verödeten Ortszentren mit vernünftiger Raumordnung und sonstigen Maßnahmen beizutragen.
Ein Großteil der Bevölkerung wird es ihnen garantiert zu danken wissen.



