Wenn die Welt ins Zittern gerät
- verfasst von BLO24
- Kulturelles
Die Rückkehr des nervösen Zeitalters von Oliver Rathkolb
In Ökonomie der Angst entwirft der renommierte Historiker Oliver Rathkolb ein kraftvolles und eindringliches Panorama unserer Gegenwart – und ihrer historischen Parallelen. Mit analytischer Schärfe zeigt er, wie tief die heutigen politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Verwerfungen in ein „nervöses Fieber“ münden, das uns auf beunruhigende Weise an die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg erinnert.
Rathkolb verortet die Wurzeln der aktuellen Unsicherheiten in zwei Phasen radikaler Globalisierung, die er als „erste und zweite Turboglobalisierung“ bezeichnet. Wie schon im frühen 20. Jahrhundert treffen rasante technologische Innovationen, wirtschaftliche Umbrüche und politische Destabilisierung auf Gesellschaften, die überfordert wirken – und auf Eliten, die der Komplexität der Entwicklungen oft nicht gewachsen sind.
In dieser Gemengelage entstehen radikale Dynamiken: Autoritarismus, Xenophobie, Kriegstreiberei, Polarisierung und der Verlust individueller Kontrolle. Rathkolb zeigt, wie aus Frustration und Überforderung eine gefährliche Sehnsucht nach „dem starken Mann“ wächst, der vermeintlich einfache Lösungen für hochkomplexe Probleme bietet. Damit knüpft er an historische Muster an – und lässt keinen Zweifel daran, dass diese Entwicklung uns an den Rand eines neuen autoritären Zeitalters führen könnte.
Besonders eindrucksvoll ist Rathkolbs Analyse des modernen wirtschaftlichen „Raubrittertums“. Von historischen Figuren wie John D. Rockefeller bis zu heutigen Technologie-Mogulen wie Elon Musk zeichnet er die Kontinuitäten der Machtkonzentration nach, die politischen Entscheidungsspielraum aushöhlt und demokratische Prozesse unter Druck setzt.
Als erfahrener Zeitgeschichtler und langjähriger Leiter des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Wien gelingt es Rathkolb, eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu schlagen, ohne in Alarmismus zu verfallen. Vielmehr bietet er einen präzisen, kritischen und tief reflektierten Epochenvergleich, der verdeutlicht, wie wichtig historische Perspektive für das Verständnis unserer Gegenwart ist.
Ökonomie der Angst ist ein hellsichtiger Weckruf – ein Buch, das erklärt, warum die Welt nervös geworden ist, und warum wir gerade jetzt achtsam bleiben müssen.



