Barrierefrei durch Geschichte und Erinnerungen

Barrierefrei durch Geschichte und Erinnerungen ©nikkiphotography
Gemeinsamer Spaziergang in Gröbming

Mehr als 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten der Einladung zum generationenübergreifenden Spaziergang durch Gröbming. Treffpunkt war das Seniorenzentrum, wo Edith Zitz, Geschäftsführerin des Vereins Inspire Graz, gemeinsam mit ihrem Team im Bezirk Liezen – Hilde Unterberger und Katharina Ernecker – die Gäste herzlich begrüßte. Unter den Teilnehmenden befanden sich auch Gröbmings Vizebürgermeisterin Alexandra Rauch sowie Martina Pitzer von der Frauen- und Mädchenberatung Philomena, die in Gröbming eine Beratungsstelle betreibt.

Gemeinsam machte sich die Gruppe – teilweise mit Rollstuhl oder Rollator – auf den Weg durch den Ort. Museumsleiter Alois Guggi führte die Spaziergängerinnen und Spaziergänger mit spannenden Erzählungen durch die Geschichte Gröbmings. So erinnerte er an das ehemalige Frauenkloster mit Mädchenschule in der Klostergasse sowie an den Gschmeidler-Schlüsselhof aus dem 12. Jahrhundert, das älteste erhaltene Gebäude des Ortes. Auch die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt beeindruckte mit ihrer Geschichte: Sie beherbergt den größten und ältesten Flügelaltar Österreichs sowie eine Pestglocke aus dem 17. Jahrhundert.

Ein weiterer Halt führte zum Stoderplatzl, das sich im Sommer als autofreie Begegnungszone mit Café-Tischen, Spielgeräten, Bücherbox und Kneippbecken großer Beliebtheit erfreut. Der Platz verbindet Aufenthaltsqualität mit kurzen Wegen zu Geschäften und Lokalen. Hier wurde auch an den berühmten Arzt Franz Xaver Mayr erinnert, der im heutigen Gesundheitshotel Spanberger geboren wurde, sowie an die Fotografin Antonia Brandlmayr, die bereits vor rund 70 Jahren als Frau in diesem Beruf Pionierarbeit leistete.

Entlang der Hauptstraße weckten ehemalige Treffpunkte wie der Gastgarten des Gasthauses Post oder die Angermeier-Kegelbahn zahlreiche Erinnerungen bei den Teilnehmenden. Den Abschluss bildete ein Besuch im Museum Gröbming, dessen tägliche Öffnung dem Engagement zahlreicher ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen zu verdanken ist.

Die Gruppe setzte sich aus Bewohnerinnen und Bewohnern des Seniorenzentrums, deren Begleitpersonen, Angehörigen sowie Interessierten aus Gröbming und der Region zusammen. Besonders positiv hob Edith Zitz – kürzlich mit dem Grazer Frauenpreis 2026 ausgezeichnet – die weitgehend barrierefreie Gestaltung der Route hervor. Breite Gehsteige, abgesenkte Randsteine und zahlreiche Sitzgelegenheiten erleichterten insbesondere älteren und mobilitätseingeschränkten Menschen die Teilnahme. Als einziges Manko nannte sie das fehlende Blindenleitsystem.

Mit dem Spaziergang in Gröbming fand das Projekt „UNERHÖRT 2.0“ seinen Abschluss. Zuvor hatten bereits Rundgänge in Liezen, Schladming, Landl und Admont stattgefunden. Im Mittelpunkt des Projekts steht die Biografiearbeit mit älteren und/oder beeinträchtigten Frauen im Bezirk Liezen. Die Spaziergänge machten ihre oftmals wenig beachteten Lebensgeschichten sichtbar und erlebbar und wurden in enger Zusammenarbeit mit Kulturinstitutionen, Frauenorganisationen sowie Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung umgesetzt. Die große Beteiligung an allen Veranstaltungen unterstrich das Interesse an diesem besonderen Zugang zu Geschichte, Erinnerung und gesellschaftlichem Miteinander.

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