Diskussion über Probleme
Die Tourismuswirtschaft boomt in Österreich und natürlich auch im Bezirk Liezen, nicht erst durch die kommende Ski-WM in Schladming. Es gibt genügend offene Stellen, aber es wird trotzdem immer schwieriger diese zu besetzen.
Warum das so ist, darüber diskutierten am Montag im Liezener Kulturhaussaal Nationalratsabgeordnete Elisabeth Hakel, BR und WK-Obmann der Fachgruppe Hotellerie Franz Perhab,
VIDA-Chef Rudi Kaske sowie der Geschäftsführer des steirischen Tourismusverbandes Georg Bliem.
"Eine Studie der Arbeiterkammer Wien bestätigt es: Beschäftigte im Tourismus verdienen um ein Drittel weniger als in anderen Branchen, haben aber gleichzeitig weniger Arbeitsplatzsicherheit, eine hohe Stressbelastung und längere Arbeitszeiten,"
erklärt VIDA-Chef Rudi Kaske.
Ähnliches bekam auch die regionale Abgeordnete Elisabeth Hakel bei einer Diskussion mit Jugendlichen in Öblarn zu hören:
„Die Jugendlichen aus unserer Region haben mir gesagt, dass sie ganz sicher nicht im Tourismus arbeiten wollen, denn da werden sie schlecht bezahlt und müssten am Abend und am Wochenende arbeiten." Ein weiterer Grund, weshalb der Beruf z.B. eines Kellners oder eines Kochs nicht mehr sehr beliebt sei, habe ganz sicher auch mit der fehlenden Wertschätzung in der Gesellschaft zu tun, ist Hakel auch überzeugt.
Das würde so nicht stimmen, hielt der regionale Bundesrat Franz Perhab dagegen: „Gerade der Beruf des Kochs hat, wenn man an die vielen Kochsendungen oder an bekannte Starköche wie z.B. Johann Lafer denkt, einen sehr hohen Stellenwert in der Gesellschaft."
Dass die Lehre im Tourismus mit einer großen Konkurrenz aus anderen Branchen zu kämpfen hätte, darin waren sich Rudi Kaske als auch Franz Perhab einig. „In vielen anderen Branchen, z.B. im Handel,
wird mit Aufstiegsmöglichkeiten nach der Lehre oder mit anderen Anreizsystemen geworben", erzählt VIDA-Chef Kaske. „Stimmt, auch wir in der WKÖ haben uns Gedanken über ein Anreizsystem gemacht und daher beschlossen, dass wir bei positiver Absolvierung der Lehrabschlussprüfung die Kosten für den Führerschein übernehmen", ergänzt BR Perhab.
Dass die Steiermark ein beliebtes Ferienland ist und man im letzten Jahr die 11 Millionen Nächtigungs-Grenze erreicht hat, darauf ist Georg Bliem, der Chef des Tourismusverbandes Steiermark stolz:
„Wir punkten mit unserer steirischen Herzlichkeit, den regionalen Produkten sowie der wunderschönen Natur."
Weitere Punkte, die auch aus dem Publikum angesprochen wurden, waren ein fehlendes leistbares Wohnungsangebot für Mitarbeiter/innen und deren Familien, sowie das Problem,
dass die Bezahlung des Führerscheins als Anreizsystem in einer ländlichen Region nicht richtig gewählt sei, weil hier die Jugendlichen bereits mit dem L17 fahren würden. Aber auch der Mangel an motivierten Mitarbeiter/innen und dem gegenüber stand dann auch der Vorwurf des fehlenden Willens, die Lehrlinge auch bestmöglich auszubilden, wurden diskutiert.
„Mir war es wichtig, einen Diskussionsprozess über dieses Thema in unserem Bezirk zu starten. Lass uns darüber sprechen und dabei sollen alle Betroffenen zu Wort kommen. Und ich glaube, die knapp 100 Teilnehmer/innen an der Diskussionsveranstaltung beweisen, dass so ein offener Diskussionsprozess notwendig ist", meint Nationalratsabgeordnete Elisabeth Hakel.