Ein geradezu unglaubliches Projekt
Von Zeit zu Zeit bin ich im Web unterwegs und stöbere nach interessanten Artikeln. Diesmal bin ich in Selzthal fündig geworden.
Spielzeug gehört zum täglichen Leben unserer Kinder, sei es zu Hause oder im Kindergarten. Es fördert die Kreativität und ist daher sehr wichtig. Warum dann also auf Spielzeug verzichten? Nun, diese Frage stellten wir uns zunächst auch. Nach dem Besuch eines Seminars waren wir jedoch entschlossen, dieses Projekt (nach Absprache mit den Eltern und deren Zustimmung) die letzten drei Monate des Kindergartenjahres 2010/11 zu starten.
Die Idee dieses Projektes ist die Fülle an Spielzeug zu hinterfragen und sich dabei mit den alltäglichen Konsumgewohnheiten unserer Kinder auseinanderzusetzen. Durch das „Herausnehmen“ des Spielzeugs aus dem Kindergartenalltag werden neue Spielräume und Freiräume geschaffen, welche die Kreativität und Phantasie fördern. Neue, eigene Ideen der Kinder werden umgesetzt. Die Kinder zeigen Selbstbewusstsein und entwickeln Lebenskompetenzen wie z. B. Kommunikations- und Konfliktfähigkeit, Selbstvertrauen oder auch Frustrationstoleranz. Diese Kompetenzen sind wichtige Schutzfaktoren gegen eine mögliche Suchtgefährdung im späteren Alter.
Aber wie reagierten die Kinder auf dieses Projekt?
Die Kinder räumten innerhalb einer Stunde sämtliches Spielzeug aus den Gruppenräumen und schickten es in den „Urlaub“. Entgegen unseren Erwartungen konnten wir von Beginn an weder ein Gefühl der Langeweile noch der Orientierungslosigkeit feststellen. Im Gegenteil, es entstanden die kreativsten Rollenspiele und Baukonstruktionen mit Möbel, Polstern und anderen „wertlosen“ Materialien. Es konnten alle Räume sowie der Garten nach den Bedürfnissen der Kinder genutzt werden. Regeln und Grenzen (die auch mit den Kindern in „Kinderkonferenzen“ besprochen und erstellt wurden) mussten eingehalten werden. Trotzdem waren die Kinder ausgeglichen und ideenreich, vor allem weil sie ihrem natürlichen Bewegungsdrang nachkommen konnten. Aber auch für uns Pädagoginnen war der spielzeugfreie Kindergarten eine Umstellung. Sich einmal ganz zurückzunehmen und bei Konflikten die Lösungen den Kindern zu überlassen war manchmal gar nicht so einfach. Durch das von uns entgegengebrachte Vertrauen konnten die Kinder noch mehr Selbstbewusstsein entwickeln. Dementsprechend höher war auch der Lärmpegel. Wir nutzten die Zeit, um ausführlich zu beobachten und zu dokumentieren (Tagesbeobachtungen, Fotodokumentationen, Filmdokumentationen, Portfolio für jedes Kind).
Letztendlich können wir sagen, das Projekt war ein Erfolg und die Kinder und wir Pädagoginnen profitieren auch noch im Nachhinein davon.
Das Kindergartenteam wünscht allen ein schönes Weihnachtsfest und alles Gute für das Jahr 2012.
Ein Bericht aus den Selzthaler Gemeindenachrichten 3/2011
Coverfoto von: Spielzeugschachtel Graz



