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Blickpunkt Mensch in Schladming

Blickpunkt Mensch in Schladming BLO24
9. Pflegesymposium des Pflegeverbandes Liezen im Congress Schladming

Unter diesem Motto hat der Pflegeverband Liezen sein 9. Symposium in Schladming veranstaltet. Der Einladung sind knapp 300 Menschen gefolgt, die haupt- oder ehrenamtlich in der Pflege und Betreuung arbeiten, Menschen, die in der Ausbildung sind und andere, die schon mehrere Jahrzehnte Erfahrung und Expertise einbringen.

Bgm. Hermann Trinker und Pflegeverbandsobmann Stadtrat Raimund Sulzbacher freuten sich darüber, dass diese Bildungsveranstaltung sich über die Jahre in die Region integrieren ließ und wertvolle und hochwertige Vorträge quasi vor der Haustüre anbietet. Dies ist aber auch durch die großzügige Unterstützung der Stadtgemeinde Schladming und der Zustimmung der aller Gemeinden des Pflegeverbandes Liezen zu dieser Veranstaltung möglich.

Bilder vom 9. PflegesymposiumBilder vom 9. Pflegesymposium

Gleich zu Beginn fiel der Blickpunkt auf vier Menschen, zwei Bewohnerinnen und Bewohner der Seniorenhoamt Lassing des Pflegeverbandes Liezen und zwei Schülerinnen des Bildungszentrums Nord der Caritas in Rottenmann, die in einem Generationentalk über Veränderungen aber Wünsche und Bedürfnisse sprachen, die mit einem Wechsel in eine Pflegeeinrichtung verbunden sind.

Die Gestaltung und Weiterentwicklung eines würdevollen und wertschätzenden Pflege- und Gesundheitswesen sei vor dem Hintergrund der je individuellen Aufgabe eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung, so Dr. Karl-Heinz Kornhäusl, Landesrat für Gesundheit, Pflege und Sport. Das brauche menschliches wie fachliches Miteinander von Politik, Gesellschaft und den Beschäftigten in diesem Bereich, so der Landesrat weiter.  

Er kenne aus eigener Erfahrung als Arzt sowohl Tage die beglückend waren, als auch jene die belastend bis überfordernd waren, sei aber bei all dieser Schwankungsbreite  immer gerne in die Arbeit gegangen. Es gelte analog zur Medizin auch für die Entwicklung einer Pflegelandschaft immer wieder zu beurteilen, wo akute Einschnitte notwendig sind und wo es langfristige, therapeutisch begleitete Maßnahmen braucht, um im Blick auf die Menschen einen Systemwandel herbeizuführen, so der Politiker und Arzt.

Dieser Wandel sei unumgänglich weil die Ressourcen, die personellen aber auch die finanziellen noch viele Jahre knapp sein werden, bis eingeleitete Maßnahmen, wie die Aufstockung von Ausbildungsplätzen bei den Bewohnerinnen und Bewohnern, den Patientinnen und Patienten ankommen, meint Kornhäusl weiter.  

Die Präsidentin der Caritas Österreich, Nora Tödtling-Musenbichler ging der Frage nach, was wir voneinander brauchen, um füreinander da sein zu können. Solidarität, Professionalität und Regionalität und dass alles unter Rahmenbedingungen, die fachlich gut begleitet, politisch umfassend mitgetragen und finanziell langfristig abgesichert sind, um allen Betroffenen Sicherheit und Stabilität zu geben. Gemeinsam mit Zuversicht und Zuverlässigkeit stehen diese Themen ganz oben, wenn es um die Frage geht, der dieser Impuls der Caritasdirektorin der Steiermark gewidmet ist. Solidarität lässt sich nicht verordnen, aber überall dort verorten, wo der Boden dafür gemeinsam aufbereitet wird, für die Jüngsten wie auch die Ältesten unserer Gesellschaft.

Über den Berufsstolz und das Selbstbewusstsein von Menschen, die in Pflegeberufen arbeiten ging es bei Dr. German Quernheim. Es gehe darum entsprechend der Expertise und der Fachlichkeit, Pflegeberufe in das richtige Licht zu rücken, damit ihre unabdingbare Notwendigkeit für das Gelingen des gesamten Gesundheits- und Pflegewesen nicht unterbelichtet bleibt. Ein wesentliches Element dabei ist, wie Menschen, die in der Pflege arbeiten, über ihre Arbeit sprechen und wie es ihnen gelingen kann, das hohe Ausmaß an Empathie aber auch Expertise zum Ausdruck zu bringen.

 

Coolout hat nichts mit zunehmender Kälte gegenüber zu Pflegenden oder auch der eigenen Verantwortung zu tun, sondern beschreibt nach wissenschaftlichen Untersuchungen von Diplom-Pflegepädagoge Matthias Löw, warum Menschen bei dem aktuell hohen work-load immer noch jeden Tag in den Pflegeberuf zurückkehren. Im Vergleich zu Burnout macht Coolout nicht krank.

Der Bildungswissenschaftler Löw beschreibt vier grundsätzliche Verhaltensmuster, wie Menschen die in der Pflege arbeiten, mit dem unauflösbaren Wiederspruch von individuell abgestimmter situationsadäquater Pflege und ökonomisch institutionalisierter, systemrelevanter Effizienz umgehen. Konkret können sich Lösungsansätze zeigen durch Teamarbeit und Kollegialität, das Setzen von Prioritäten, das Schließen von Kompromissen und Routine die zu einer Verbesserung von Arbeitsabläufen führt. Es geht um tägliche Entscheidung Systemerhalter oder Systemgestalter zu sein, Blickpunkt systemische Effizienz oder menschliche Nähe. Es geht aber auch darum, nicht auf dauer wider berufsethischer Ansprüche und Erwartungen zu arbeiten.

Wie man Themen wie „Sterben und Tod“ kunstvoll, empathisch, gesprächsunterstützt und auch spielerisch mit einer Reihe von Fragen unter dem Titel „Sarggespräche“ begegnen kann haben Vera Brunnbauer und Nicole Honeck nicht nur erzählt, sondern auch zu ihrem Lebensinhalt gemacht. Wenn wir den Tod zum Lebensinhalt machen, verlieren wir die Angst davor, ist ein Zugang der Beiden. Das alles auch eingebettet in berührende und bewegende Kunstprojekte, denn wir brauchen nicht nur eine Kultur des Lebens, sondern auch eine Kultur des Sterbens, weil wir sonst nicht nur lieblos leben, sondern auch lieblos sterben.

Die Angst vor dem Alter ist kein Märchen wie Schneewittchen. Sie spiegelt sich in den Umsätzen einer milliardenschweren Anti-Ageing-Industrie. Die Würdigung des Alters beginne mit der Annahme des eigenen Altwerdens. Es ist eine individuelle wie gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sich nicht taub zu stellen, wenn älterer oder in  irgendeiner Form benachteiligte Menschen ihrer Bedürfnisse artikulieren, sich nicht blind zu stellen, wenn sie ihren Platz in der Gesellschaft suchen und nicht stumm zu sein, wenn wir Formen von Entwertung, Entwürdigung oder Ausgrenzung wahrnehmen, zitiert Jakob Kabas, Geschäftsstellenleiter des Pflegeverbandes und Präsident von Lebenswelt Heim Österreich aus einem europaweiten Positionspapier zu den Herausforderungen in der Pflege und Betreuung älterer Menschen, an dem er mitarbeiten konnte.

Mit dem Blickpunkt Mensch gibt es kein wertloses Leben und es gibt keine wertlose Arbeit“, resümiert Kabas, am Ende eines vollen und erfüllenden Tages.

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