Betrüger erbeuten fast eine halbe Million Euro

Betrüger erbeuten fast eine halbe Million Euro AI
Falsche Liebe, falsche Gewinne

Steiermark. – Ein vermeintlicher Pilot, ein angeblicher Militärarzt und falsche Finanzexperten! Mit professionell inszenierten Geschichten haben Internetbetrüger mehrere Steirerinnen um enorme Geldbeträge gebracht. Allein vier zuletzt bekannt gewordene Fälle verursachten einen Gesamtschaden von fast einer halben Million Euro. Die Polizei warnt eindringlich vor den immer raffinierteren Maschen.

Ob große Liebe, lukrative Geldanlage oder dramatisches Schicksal – die Geschichten unterscheiden sich, das Prinzip dahinter ist nahezu immer dasselbe: Täter suchen über soziale Medien und Online-Plattformen gezielt Kontakt zu ihren späteren Opfern. Über Wochen oder sogar Monate bauen sie Vertrauen auf, bevor die ersten Geldforderungen folgen.

Dabei gehen die Betrüger äußerst professionell vor. Seriös wirkende Internetseiten, vermeintliche Experten, Gruppenchats, persönliche Schicksale und sogar kleine tatsächliche Auszahlungen sollen Zweifel zerstreuen und die Opfer zu immer höheren Zahlungen bewegen.

Erst am vergangenen Wochenende wurde ein Fall bekannt, bei dem ein angeblicher deutsch-amerikanischer Pilot eine 50-Jährige um rund 77.000 Euro gebracht haben soll. Drei weitere aktuelle Fälle zeigen nun das enorme Ausmaß dieser Form der Kriminalität.

27-Jährige über Instagram in die Falle gelockt

Ende Juli stieß eine 27-Jährige aus dem Bezirk Hartberg-Fürstenfeld auf Instagram auf eine Werbung für vermeintlich lukrative Investments. Der Kontakt verlagerte sich anschließend auf WhatsApp und professionell wirkende Gruppenchats bei Telegram.

Der jungen Frau wurden Kapitalerträge und zusätzliche Verdienstmöglichkeiten versprochen – etwa Geld für das Liken von Beiträgen in sozialen Netzwerken. In den folgenden Wochen überwies sie insgesamt mehr als 6.000 Euro auf verschiedene Konten im In- und Ausland.

Um Vertrauen zu schaffen, erhielt sie sogar einen tatsächlichen „Bonus“ von 238 Euro. Als sie schließlich nicht mehr auf ihr vermeintlich investiertes Kapital zugreifen konnte, wurde ihr klar, dass etwas nicht stimmte. Sie wandte sich an die Polizei.

173.000 Euro an falsche Finanzprofis überwiesen

Noch wesentlich größer war der finanzielle Schaden für eine 74-jährige Grazerin. Sie war bereits im Juni über eine YouTube-Werbung auf einen angeblichen Finanzexperten aus Deutschland aufmerksam geworden.

Ein vermeintlicher Investmentbanker brachte sie in weiterer Folge dazu, insgesamt zehn Überweisungen auf Konten in verschiedenen Ländern durchzuführen. Auch Geldtransfers über Krypto-Wallets kamen zum Einsatz.

Auf einer professionell wirkenden Investmentplattform konnte die Grazerin ihre angeblichen Geldanlagen und Gewinne verfolgen. Eine tatsächliche Auszahlung von 1.000 Euro verstärkte ihr Vertrauen zusätzlich.

Am Ende waren mehr als 173.000 Euro verloren. Erst als der Kontakt zum angeblichen Finanzexperten plötzlich abbrach, erkannte die Frau den Betrug und erstattete Anzeige.

Falscher „Militärarzt“ erbeutet 237.000 Euro

Besonders hoch ist der Schaden in einem weiteren Fall aus Graz. Eine 65-Jährige lernte über Facebook einen Mann kennen, der sich als Militärarzt im Jemen ausgab.

Was mit einer Freundschaftsanfrage begann, entwickelte sich über Messenger und WhatsApp zu einem intensiven Kontakt. Der Mann behauptete, nach Österreich zurückkehren zu wollen und dafür finanzielle Hilfe zu benötigen. Zusätzlich benötige er Geld für die medizinische Behandlung seines angeblich kranken Sohnes.

Über mehrere Monate hinweg verschickte die Frau in vier Postsendungen insgesamt unglaubliche 237.000 Euro in bar an unterschiedliche Adressen in Wien und Italien.

Als schließlich angeblich im Namen der UNO erneut Geld für die Ausreise des Mannes verlangt wurde, wurde die 65-Jährige misstrauisch. Sie ging zur Polizei und erstattete Anzeige.

Internetbetrug trifft Jung und Alt

Die Fälle machen deutlich: Internetbetrug ist keine Frage des Alters. Die betroffenen Frauen sind zwischen 27 und 74 Jahre alt.

Auch die Zahlen zeigen, wie stark dieses Kriminalitätsfeld gewachsen ist. 2016 wurden in der Steiermark 1.045 Fälle von Internetbetrug angezeigt, 2025 waren es bereits 4.332. Damit hat sich die Zahl innerhalb von zehn Jahren mehr als vervierfacht. Gegenüber 2024 wurde nochmals ein Anstieg um 5,6 Prozent verzeichnet. Die Aufklärungsquote lag 2025 bei 31,9 Prozent.

Polizei warnt: Kleine Gewinne können Teil der Falle sein

Besonders perfide: Betrüger zahlen ihren Opfern teilweise tatsächlich kleinere Geldbeträge aus. Diese vermeintlichen Gewinne sollen Seriosität vortäuschen und dazu verleiten, anschließend wesentlich höhere Summen zu investieren.

Die Polizei appelliert deshalb, sowohl Online-Bekanntschaften als auch vermeintliche Geldanlagen kritisch zu hinterfragen. Professionell gestaltete Webseiten, beeindruckende Berufsbezeichnungen, hohe Gewinnversprechen oder emotionale Geschichten sind kein Beweis für Seriosität.

Die wichtigsten Warnsignale: Kein Geld an Personen überweisen oder schicken, deren Identität nicht zweifelsfrei überprüft werden kann. Bank-, Zugangs- und persönliche Daten niemals leichtfertig weitergeben. Bei außergewöhnlich hohen Renditeversprechen besonders skeptisch sein und sich nicht unter Zeit- oder emotionalen Druck setzen lassen. Auch eine kleine erfolgreiche Auszahlung bedeutet nicht, dass eine Geldanlage seriös ist.

Wer bereits Geld überwiesen oder sensible Daten weitergegeben hat, sollte sofort den Kontakt abbrechen, sämtliche Chatverläufe, E-Mails, Überweisungsbelege und Screenshots sichern, betroffene Zugangsdaten ändern und möglichst rasch Anzeige bei der Polizei erstatten.

Die aktuellen Fälle zeigen eindrucksvoll: Im Internet verkaufen Betrüger nicht nur falsche Investments oder erfundene Geschichten – sie machen vor allem das Vertrauen ihrer Opfer zu Geld.

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