Der Nationalpark ist keine Rennstrecke!
- verfasst von BLO24
- Fenstergucker
Was sich auf der B146 durch den Nationalpark Gesäuse immer wieder abspielt, ist kein Kavaliersdelikt – es ist brandgefährlich. Im Bereich des Erlebniszentrums Weidendom gilt aus gutem Grund Tempo 50, ergänzt durch eine Geschwindigkeitsanzeigetafel. Dort halten sich regelmäßig Kindergruppen, Wanderer und zahlreiche Individualgäste auf. Zusätzlich verläuft der Ennsradweg R7 im engen Talabschnitt auf der Straße. Auch die nahe Abzweigung nach Johnsbach sorgt im Kreuzungsbereich immer wieder für heikle Situationen.
Die Jahresauswertung der Messdaten zeigt erneut ein erschreckendes Bild: Mehrere Fahrzeuge wurden im sensiblen Gefahrenbereich nicht nur deutlich zu schnell, sondern teils mit Geschwindigkeiten weit über 140 km/h erfasst – und das nicht nur nachts, sondern auch tagsüber, zu Zeiten, in denen der Weidendom im Vollbetrieb steht und Kinder die Straße überqueren.
Nur rund einen Kilometer weiter Richtung Hieflau folgt die nächste neuralgische Stelle: die Ein- und Ausfahrt zum Parkplatz Haindlkarhütte. An der schlecht einsehbaren Zufahrt gilt Tempo 80 als Höchstgeschwindigkeit. Auch hier kam es laut Auswertung zu massiven Überschreitungen.
Nationalparkdirektor Herbert Wölger zeigt sich alarmiert: „Der Nationalpark Gesäuse ist keine Rennstrecke! Er ist Lebensraum für Tiere, Erholungsort für Menschen, Wandergebiet für Familien und Aushängeschild unserer gesamten Region. Wer hier derart rücksichtslos unterwegs ist, gefährdet nicht nur sich selbst, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer, Radfahrer, Fußgänger, Kinder und Wildtiere.“ Zudem belaste Raserei das Gebiet weit über das Unfallrisiko hinaus: „Menschen besuchen den Nationalpark, um Ruhe zu finden. Lärm und Verkehrsstress trüben das Naturerlebnis enorm und sind auch ein buchungsrelevanter Störfaktor.“
Klar ist: Geschwindigkeitsrekorde bringen dem Gesäuse nichts – wohl aber konsequente Schritte zur Verkehrs- und Lärmminderung. Diskutiert werden etwa LKW-Beschränkungen oder eine durchgehende Temporeduktion. Für den Schutz des Nationalparks und seine qualitative Weiterentwicklung als Herzstück einer besuchs- und lebenswerten Naturlandschaft dürfte an solchen Maßnahmen kein Weg vorbeiführen.



