Bebt die Erde mehr als früher?

Bebt die Erde mehr als früher? AI
...oder fühlt es sich nur so an?

Erdbeben, Vulkanausbrüche und spektakuläre Bilder aus aller Welt vermitteln derzeit den Eindruck, als würde unser Planet zunehmend unruhiger. Doch dieser Eindruck täuscht: Wissenschaftliche Langzeitbeobachtungen zeigen keine eindeutige globale Zunahme großer Erdbeben oder vulkanischer Aktivität. Vielmehr bekommen wir heute wesentlich mehr davon mit als noch vor wenigen Jahrzehnten.

Wer regelmäßig Nachrichten verfolgt, könnte derzeit glauben, die Erde komme nicht mehr zur Ruhe. Hier erschüttert ein starkes Erdbeben eine Region, dort erwacht ein Vulkan, wenig später folgen Meldungen über neue Erdstöße auf einem anderen Kontinent.

Schnell entsteht die Frage: Passiert tatsächlich immer mehr?

Die beruhigende Antwort lautet: Nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft gibt es keine Hinweise darauf, dass sich starke Erdbeben und Vulkanausbrüche weltweit grundsätzlich immer stärker häufen.

Tausende Messstationen registrieren heute fast jedes Beben

Ein wesentlicher Grund für unsere Wahrnehmung liegt in der modernen Technik. Weltweit überwachen hochsensible Messstationen die Bewegungen der Erdkruste. Selbst schwache Erdstöße in abgelegenen Regionen oder tief unter dem Meer können heute erfasst werden.

Hinzu kommen Satelliten, GPS-Messungen und immer bessere Überwachungssysteme für Vulkane. Ereignisse, von denen Menschen vor 50 oder 100 Jahren möglicherweise überhaupt nichts erfahren hätten, werden heute innerhalb kürzester Zeit registriert.

Was früher weit weg war, landet heute auf dem Smartphone

Noch stärker verändert hat sich die Geschwindigkeit der Information. Ein Vulkanausbruch in Indonesien, ein Erdbeben vor Japan oder eine Aschewolke über Island kann wenige Minuten später als Video auf unseren Smartphones erscheinen.

Nachrichtenportale, soziale Medien und Push-Meldungen sorgen dafür, dass geologische Ereignisse aus der ganzen Welt praktisch gleichzeitig bei uns ankommen.

Dadurch entsteht leicht der Eindruck einer außergewöhnlichen Häufung.

Die Erde war schon immer in Bewegung

Erdbeben und Vulkane gehören zur natürlichen Entwicklung unseres Planeten. Die Erdkruste besteht aus großen tektonischen Platten, die sich ständig bewegen. Wo diese Platten aufeinandertreffen, auseinanderdriften oder sich gegeneinander verschieben, entstehen enorme Spannungen.

Werden diese Spannungen plötzlich freigesetzt, bebt die Erde. In anderen Bereichen kann Magma aufsteigen und Vulkane entstehen lassen.

Besonders deutlich zeigt sich das am sogenannten Pazifischen Feuerring, an dem sich ein großer Teil der aktiven Vulkane und viele starke Erdbeben konzentrieren.

Ein großes Beben kann hunderte weitere Meldungen verursachen

Auch Nachbeben verstärken unsere Wahrnehmung. Auf ein schweres Erdbeben können innerhalb von Tagen oder Wochen zahlreiche weitere Erdstöße folgen.

Werden diese einzeln gemeldet, entsteht schnell der Eindruck einer ganzen Serie neuer Katastrophen. Tatsächlich gehören viele davon jedoch zum selben geologischen Vorgang.

Ähnliches gilt für Vulkane: Gleichzeitig aktive Vulkane sind weltweit keineswegs außergewöhnlich.

Nicht die Erde ist plötzlich lauter geworden – wir hören genauer hin

Natürlich können einzelne Jahre oder Monate außergewöhnlich viele schwere Naturereignisse bringen. Daraus lässt sich jedoch noch kein langfristiger Trend ableiten.

Unser Planet ist seit Millionen von Jahren geologisch aktiv und wird es auch weiterhin bleiben.

Was sich dramatisch verändert hat, ist vor allem unsere Wahrnehmung: Wir messen genauer, beobachten nahezu jeden Winkel der Erde und erfahren innerhalb von Sekunden, was Tausende Kilometer entfernt passiert.

Die Erde bebt also nicht zwangsläufig häufiger als früher.

Wir bekommen heute nur beinahe jedes Beben mit.

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