Unsere Psyche ist jetzt stark gefordert
- verfasst von Alfred Stadlmann
- Leute
Nörgelnde Partner, quengelnde Kinder, die Angst vor Kündigung, vor einer Ansteckung mit Covid-19, die Maskenpflicht beim Einkauf und das Gefühl, ständig eingesperrt zu sein, zehrt derzeit an der Psyche der Menschen. Man braucht nichts zu beschönigen, diese Corona-Krise hat Dimensionen angenommen, die anfangs wohl viele nicht ernst genommen haben.
Mittlerweile ist aber bei den meisten Bürgern angekommen, dass wir uns an die Vorgaben der Regierung halten müssen. Täglich sitzen wir vor dem Fernseher, in der Hoffnung, endlich für uns positive Nachrichten zu erfahren. Dieses unsichtbare Virus wird aber nicht von heute auf morgen verschwinden, wie uns ehrlicherweise von Kanzler Kurz und seinem Team laufend mitgeteilt wird.
Fakt ist: Es wird alles unternommen, um die Corona-Kurve flach zu halten, die Ausbreitung bestmöglich einzudämmen, um unsere Krankenhäuser und deren Personal nicht heillos zu überfordern.
Ich hoffe, dass in unseren Krankenhäusern nicht derselbe Irrsinn wie in Italien, Spanien und Frankreich ausbricht, wo Ärzte entscheiden müssen, wer weiterleben darf und wer nicht. Was das mit der Psyche eines Menschen anrichtet, kann sich wohl jeder denken. Eine meiner Töchter ist derzeit als Diplomkrankenschwester am LKH Leoben tätig. Ja, das stimmt meine Frau und mich nachdenklich, auch wegen ihrer zwei kleinen Söhne, aber ich bin auch Optimist und hoffe, dass wir alle gut durch die Krise kommen.
Ich habe keine quengelnden Kinder im Haus, meine Frau und ich kommen gut miteinander aus, die Angst vor einer Kündigung ist, dank Pensionierung, nicht relevant, die Wohnung groß genug für zwei, also könnte ich sagen: „Mir geht es den Umständen entsprechend gut.“ Dem ist nicht ganz so, denn auch mir fehlt die soziale Säule meines Lebens, die so abrupt weggebrochen ist und derzeit auf Telefonate und Videochats beschränkt ist. Wie so viele andere Bürger im Land würde auch ich gerne meine Familienmitglieder in den Arm nehmen, wieder mit Freunden am Tisch im Lokal vereint sitzen und mich bei einem Bier darüber unterhalten, wie wir diese schwerste Krise in unserem Leben gemeinsam bewältigt haben. Aber das wird noch dauern.
Mittlerweile müssen selbst die hartnäckigsten Realitätsverweigerer begriffen haben, dass wir in einer Ausnahmesituation sind und nicht, wie von einigen Verschwörungstheoretikern behauptet, dass die Regierungen uns mit dieser Krise kontrollieren und wie Schafe leiten wollen. Was für eine absurde Idee.
Für unsere Psyche, denke ich, wird es wichtig sein, diese Krisensituation anzunehmen und das Beste aus jedem Tag zu machen. Hoffnung hilft uns dabei, Wut und Aggression über die Beschränkungen unseres Lebens nicht.
Halten Sie bitte Abstand und bleiben Sie gesund!
Folgende Telefonnummern stehen für Menschen mit psychischen Belastungen durch Corona in dieser außergewöhnlichen und schwierigen Zeit zur Verfügung:
03612 / 26 322 - 10
03612 / 21 187 - 13
0800 500 154 mehr INFO auf PSN



