Mega-Erfolg für unsere „ANCORA“-Ermittler
- verfasst von BLO24
- Steiermark
Steiermark: Ein europaweiter Polizeieinsatz hat eines der größten Schleppernetzwerke entlang der Südost-Balkanroute zerschlagen. Mehr als 130 Verdächtige wurden festgenommen. Die Täter sollen über 100.000 Menschen illegal nach Mitteleuropa geschleust und dabei Gewinne in Milliardenhöhe erzielt haben. Details zu dem großangelegten Ermittlungserfolg präsentierten Polizei und Justiz am 10. März 2026 gemeinsam mit Innenminister Gerhard Karner in Graz.
Ermittlern der Polizeiinspektion Spielfeld-FGP gelang ein bedeutender Schlag gegen eine der aktivsten Schlepperorganisationen auf der Südost-Balkanroute. Im Rahmen der Operation „ANCORA“ konnten – in enger Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Sicherheitsbehörden – mehr als 130 Tatverdächtige festgenommen werden.
Die Ermittlungen erfolgten gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt, mehreren Landeskriminalämtern, der Staatsanwaltschaft Wien sowie internationalen Polizeibehörden. Eine zentrale Rolle spielte Europol, das die internationalen Ermittlungsstränge koordinierte und miteinander verknüpfte. Durch die Operation wurde die weit verzweigte Struktur der organisierten Kriminalität bis in die obersten Hierarchieebenen empfindlich geschwächt.
Den Ausgangspunkt der umfangreichen Ermittlungen bildeten Schwerpunktkontrollen der steirischen Fremdenpolizei im Grenzgebiet zu Slowenien. Im Dezember 2023 kam es im Bezirk Leibnitz zu einer besonders riskanten Flucht eines mutmaßlichen Schlepperfahrzeuges.
Der Lenker durchbrach eine Polizeisperre und flüchtete mit hoher Geschwindigkeit. Selbst Schüsse der Polizei konnten das Fahrzeug zunächst nicht stoppen. Kurz darauf verunfallte der Pkw auf glatter Fahrbahn. Im Fahrzeug fanden die Polizisten schließlich acht geschleppte Personen aus Syrien – sie blieben unverletzt. Der mutmaßliche Schlepper konnte jedoch fliehen.
Die darauf folgenden Ermittlungen wegen Schlepperei entwickelten sich zu einem der umfangreichsten Ermittlungsverfahren in der Geschichte der steirischen Fremdenpolizei.
Im Zuge der Operation „ANCORA“ deckten die Ermittler eine international agierende Schlepperorganisation mit mehreren hundert Mitgliedern entlang der Südost-Balkanroute auf. Die Struktur des Netzwerks – ausgehend von einem syrischen Clan – galt als streng hierarchisch organisiert.
Nach bisherigen Erkenntnissen arbeiteten fünf eigenständige Teilorganisationen entlang verschiedener Streckenabschnitte zusammen. Jede dieser Gruppen setzte bis zu 80 Fahrer ein. Zwischen Herbst 2023 und Mai 2025 sollen sie mehr als 100.000 Menschen von der Türkei über Südosteuropa und Österreich bis nach Deutschland geschleust haben. Die illegal erzielten Gewinne werden auf über eine Milliarde Euro geschätzt.
Als logistischer Dreh- und Angelpunkt der Organisation gilt ein Handyshop in Wien-Ottakring. Bei einem koordinierten Zugriff im Mai 2025 nahmen rund 60 Einsatzkräfte der Wiener Polizei sowie Spezialkräfte von Cobra und WEGA sechs Hauptverdächtige fest.
Die Männer im Alter zwischen 25 und 50 Jahren befinden sich seither in Untersuchungshaft in der Justizanstalt Wien-Josefstadt. Bei Hausdurchsuchungen stellten die Ermittler Waffen und Suchtmittel sicher. Die Beschuldigten – aus Afghanistan, Syrien und der Russischen Föderation – zeigen sich teilweise geständig. Die Staatsanwaltschaft Wien arbeitet derzeit an der Anklage.
Weitere Tatverdächtige aus unteren Hierarchieebenen stammen überwiegend aus Moldau, Rumänien, Georgien und der Ukraine. Viele von ihnen wurden über soziale Medien für unterschiedliche Aufgaben innerhalb des Netzwerks angeworben.
Der Komplex rund um die Operation „ANCORA“ zählt zu den größten Ermittlungsverfahren im Bereich der Schlepperkriminalität der vergangenen Jahre.
mehr als 150 Beschuldigtenvernehmungen
Auswertung von hunderten Mobiltelefonen
Analyse von mehreren Terabyte digitaler Daten
Identifizierung von über 1.000 Schlepperfahrzeugen
Zudem gelang es den Ermittlern, eine tödlich endende Flucht eines Schlepperfahrzeuges in Kroatien mit drei Todesopfern aufzuklären. Der gesamte Ermittlungsakt umfasst mittlerweile rund 14.000 Seiten.
Innenminister Gerhard Karner betonte die Bedeutung des Einsatzes:
„Der Kampf gegen illegale Migration ist eine zentrale Aufgabe unserer Sicherheitsbehörden. Es geht sowohl um den Schutz der Bevölkerung als auch um den Schutz der geschleppten Menschen. Unser Ziel muss sein, der brutalen Schlepper-Mafia die Geschäftsgrundlage zu entziehen.“
Auch Justizministerin Anna Sporrer würdigte den Erfolg:
„Die Operation ‚ANCORA‘ zeigt eindrucksvoll die exzellente Arbeit unserer Staatsanwaltschaften. Nur durch die enge Zusammenarbeit von Justiz, Polizei und internationalen Partnern wie Europol können wir kriminelle Netzwerke grenzüberschreitend zerschlagen.“



