Gesäuse liefert Daten für EU-Umweltregister
- verfasst von BLO24
- Panoptikum
Gesäuse: Europas Umweltforschung steht vor einer zentralen Herausforderung: Daten aus unterschiedlichen Regionen sind oft nur schwer miteinander vergleichbar. Ein internationales Pilotprojekt unter der Leitung der Universität Helsinki soll das ändern. Von Jänner bis Oktober 2025 beteiligte sich der Nationalpark Gesäuse an der Erprobung eines neuen europaweiten Registers für ökologische Forschungsdaten.
Gemeinsam mit dem Wegener Center für Klima und Globalen Wandel der Universität Graz wurden Vegetations- und Klimadaten aus dem Gesäuse aufbereitet und erstmals in das eLTER Digital Asset Registry (DAR) eingespeist. Das System soll künftig Forschungsdaten aus vielen europäischen Ökosystemen bündeln und für Wissenschaft und Umweltmanagement zugänglich machen.
„Die Pilotstudie dient dazu, das eLTER Digital Asset Registry auf Praxistauglichkeit zu prüfen und gleichzeitig eine aktive Community von Standortbetreibern, Datenverantwortlichen und Forschenden aufzubauen“, erklärt Holger Villwock, Hauptverantwortlicher des Datenaufruf-Projekts.
Das Pilotprojekt ist Teil der Initiative eLTER PLUS, die die europäische Forschungsinfrastruktur für Langzeit-Ökosystemforschung weiterentwickelt. Ziel ist es, Forschungsstandorte in ganz Europa zu vernetzen, gemeinsame Methoden und Datenstandards zu etablieren und langfristige Umweltbeobachtungen besser nutzbar zu machen. So können Auswirkungen von Klimawandel, Biodiversitätsverlust, Umweltverschmutzung und Ressourcennutzung in unterschiedlichen Ökosystemen systematisch miteinander verglichen werden.
Der Nationalpark Gesäuse beteiligt sich mit dem Forschungsstandort Gesäuse-Johnsbachtal und baut gemeinsam mit der Universität Graz die notwendige Infrastruktur sowie methodische Expertise für diese europäische Zusammenarbeit weiter aus.
Ein zentrales Problem der Biodiversitäts- und Umweltforschung ist die fehlende Standardisierung von Daten. Erhebungsmethoden, Messgenauigkeit oder eingesetzte Geräte unterscheiden sich häufig zwischen Ländern, Forschungsgruppen und Standorten. Gleichzeitig wächst die Datenmenge kontinuierlich. Allein die 13 Klimastationen im Nationalpark Gesäuse erfassen alle zehn Minuten Messwerte zu Temperatur, Niederschlag, Strahlung und weiteren Umweltparametern.
„Die Auswertung solcher Datenmengen ist äußerst ressourcen- und zeitintensiv. Künstliche Intelligenz kann mittlerweile unterstützen, ersetzt aber noch lange nicht die fachliche Expertise, die wir über viele Jahre aufgebaut haben“, betont Laura Vinter, Fachassistentin für Naturschutz und Forschung im Nationalpark Gesäuse.
Einheitlich erhobene und gut dokumentierte Daten aus verschiedenen Regionen sind entscheidend, um großräumige Entwicklungen – etwa den langfristigen Artenrückgang oder klimabedingte Veränderungen in Ökosystemen – zuverlässig zu untersuchen.
Durch ihre Veröffentlichung in internationalen Datenregistern stehen diese Informationen künftig Forschenden weltweit zur Verfügung. Das stärkt nicht nur die wissenschaftliche Zusammenarbeit, sondern verbessert auch die Qualität und Aussagekraft der europäischen Umweltforschung.



