Schlemmst du noch, oder fastest du schon?
- verfasst von
- Panoptikum
Meistens geht es ums Essen und Trinken.
Der Aschermittwoch ist der Beginn einer 40 Tage dauernden Fastenzeit im christlichen Glauben.
Allerdings ist schon der Start in unserer Zeit ein denkbar schlechter Ansatz.
Waren sie auch beim aschemittwöchlichen Heringsschmaus, der in manchen Gastrobetrieben mit dem Hering kaum mehr etwas gemeinsam hat?
Köstlichkeiten aus Bach, See und Meer werden da von den heimischen Gastronomen in verschiedensten Kreationen angeboten und das Volk greift freudig zu. Und auch die Angebote in den Supermärkten lassen zum aktuellen Thema keine Wünsche offen.
Fisch ist ja gesund, aber sind wir doch ganz ehrlich – was hat so eine Schlemmerei mit dem Gedanken des Fastens zu tun?
Da liegt angeblich der Anfang in den Händen der Klosterbrüder, die sich die Fastenzeit ein wenig erleichterten, indem sie den Fisch aus den Fastengeboten herausnahmen, weil er eben kein Fleisch im herkömmlichen Sinne ist. Und in den Klöstern wurden ja Karpfen und andere Fischarten selber gezüchtet, also war für eine köstliche Abwechslung am Fastentisch gesorgt, ohne in Sünde zu fallen.
In allen Zeitungen, im Internet und im TV bekommt man derzeit von Fachleuten der verschiedensten Ecken Tipps und Tricks für eine wundersame Gewichtsreduktion und Entschlackung des Körpers zu hören und zu sehen.
Was haben Sie sich vorgenommen für die nächsten vierzig Tage?
Eine radikale Diät, die sehr schwer durchzuhalten ist und nach dem Ende wohl eine tolle momentane Wirkung zeigt, aber nach der Rückkehr zu den alten Essgewohnheiten diese sehr schnell wieder zunichte macht? (Jojo Effekt)
Oder einfach das Abendessen weglassen? Mehr Bewegung und „F.d.H. (friss die Hälfte) oder Verzicht auf die geliebten Süßigkeiten?
Oder wirklich Fleisch gegen Obst und Gemüse tauschen?
Sich im Fitnesscenter einschreiben (aber dann auch hingehen), vielleicht eine Saft – Brot – Eier – Soja – Suppen – Kräuter - oder andere einseitige „Kur“ durchziehen?
Oder ist es am vernünftigsten, seine Nahrungsaufnahme ein wenig einzuschränken, aber alles weiter einzunehmen auf das man Lust und Gusto hat? Diese Variante scheint dem Laien ja die sinnvollste und ist bestimmt am ehesten auch auf längere zeit durchzuhalten, ohne das Nervenkostüm über Gebühr zu strapazieren.
Das ist nämlich auch ein nicht zu unterschätzender Faktor. Manche Zeitgenossen werden durch ihren Diätwahn selber ungenießbar und gehen ausgeglicheneren Familienmitgliedern, Kollegen und Freunden ziemlich auf den Magennerven spazieren.
Und jede größere Mahlzeit, die man sich bewusst verkneift hilft mit, den Körper ein wenig zu entschlacken und ihm Gutes zu tun.
Fasten kann aber auch bedeuten, auf gewisse Gewohnheiten zu verzichten.
Das Auto, wenn es nicht unbedingt notwendig ist, das Telefon als 24 - stündiger Begleiter, der Fernseher als Dauerunterhalter, die Gewohnheitszigarette bei jeder Gelegenheit oder das 3. Feierabendbier, weil es „eh schon wurscht“ ist!
Wer sich und seine Alltagsgewohnheiten einmal bewusst unter die Lupe nimmt, findet gewiss etwas womit er „sparen“, also fasten kann und wenn es gelingt, auf sich stolz sein wird.
Und das erfrischt das Selbstbewusstsein und damit die Seele.
In diesem Sinne: Lassen wir und nicht entmutigen wenn nach ein paar Tagen „das Fleisch schwach geworden“ ist und machen wir danach einfach weiter. Es zahlt sich aus – nicht nur für die Übergewichtigen unter uns, zu denen ich mich eindeutig dazuzählen muss.
Otto S.



