Trommeln für die Gesundheits-Versorgung
Mit lautstarker Entschlossenheit und „vereinten Kräften“ machten am 16. Dezember mehr als 700 Demonstrierende aus dem Ausseerland, Bad Radkersburg und Bruck an der Mur in Graz auf ihre Sorgen um die Zukunft der regionalen Gesundheitsversorgung aufmerksam. Anlass war die zeitgleiche Debatte im Grazer Landhaus über den „Regionalen Strukturplan Gesundheit 2030“ – und der darin enthaltene umstrittene „Plan B“.
Bereits rund um die Grazer Oper und die Burggasse war unüberhörbar, dass Widerstand im Anmarsch war: Etwa 500 Menschen aus dem Ausseerland, darunter rund 50 Trommlerinnen der „Trommelweiber“, vereinigten sich mit den Protestteilnehmern aus Bad Radkersburg und Bruck an der Mur zu einem gemeinsamen Zug Richtung Grazer Burg. Trommelrhythmen, Trillerpfeifen und Tröten verschmolzen zu einem Klangteppich, der weithin hörbar war – bis hinein ins Landhaus. Transparente mit Aufschriften wie „Make Bad Aussee great again“ oder „Wird Mario Kunasek heute mit uns reden?“ brachten die Forderungen auf den Punkt.
Besonders bemerkenswert war die Solidarität aus dem benachbarten Oberösterreich: Zahlreiche Unterstützerinnen und Unterstützer reisten mit, unter ihnen auch der Obertrauner Bürgermeister Egon Höll. Vor der versammelten Menge bekräftigten Vertreter aller Regionen ihre gemeinsamen Anliegen: eine faire Verteilung der Gesundheitsversorgung sowie der klare Appell, funktionierende Strukturen und gut ausgelastete Abteilungen nicht Einsparungen im Zuge des „Plan B“ zu opfern.
Zu den Rednern zählte Herbert Angerer, Sprecher des Forums „Pro LKH Bad Aussee“, ebenso wie der Altausseer Bürgermeister Gerald Loitzl, der gemeinsam mit seinen Amtskollegen aus dem Ausseerland und insgesamt zehn Bussen nach Graz gekommen war. Auch SPÖ-Landesparteiobmann Max Lercher meldete sich zu Wort und forderte, die bestehenden Parallelstrukturen in der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft (KAGes), im Gesundheitsfonds und in der zuständigen Landesabteilung kritisch zu hinterfragen. Die Frage stand im Raum, ob Einsparungen in diesen Bereichen nicht sinnvoller wären als Kürzungen in der medizinischen Versorgung der Randregionen.
Während der Dialog mit Landeshauptmann Mario Kunasek (FPÖ) und Gesundheitslandesrat Karlheinz Kornhäusl (ÖVP) bislang aus Sicht der Protestierenden verweigert worden war, kam es diesmal zu einer ersten Annäherung: Je ein Vertreter aus dem Ausseerland, aus Bad Radkersburg und aus Bruck an der Mur wurde zu einer Kurzaudienz ins Landhaus gebeten. Herbert Angerer überreichte dabei eine auf Pergament verfasste Petition mit der eindringlichen Bitte, den Dialog endlich aufzunehmen und an den Verhandlungstisch zurückzukehren.
„Wir sind unserem Ziel heute ein gutes Stück nähergekommen“, resümierte Angerer nach dem Gespräch. „Wir haben eine starke Präsenz gezeigt und wurden angehört. Das ist ein Erfolg. Jetzt kann es nur mehr am Verhandlungstisch weitergehen. Sollte uns jedoch erneut ein Gesundheitsdiktat präsentiert werden, kommen wir wieder – und dann mit noch mehr Menschen.“
Der Protest in Graz hat damit ein deutliches Zeichen gesetzt: Die Bevölkerung der Regionen will mitreden, wenn es um die Zukunft ihrer Gesundheitsversorgung geht – und sie ist bereit, dafür laut und sichtbar einzutreten.



