Gesundheitsversorgung vor dem Kipppunkt
Die aktuelle öffentliche Berichterstattung vermittelt den Eindruck, dass die Krankenhausversorgung im Bezirk Liezen langfristig gesichert und gleichzeitig kosteneffizient organisiert ist. Eine genauere Analyse zeigt jedoch ein deutlich anderes Bild: Der Bezirk steuert auf eine Situation zu, in der nur mehr eine minimale Eigenversorgung vorhanden sein wird – mit wachsender Abhängigkeit von anderen Bundesländern und Regionen.
Diese Entwicklung birgt erhebliche Risiken, insbesondere für die Notfallversorgung. Längere Anfahrtswege zu Krankenhäusern können im Ernstfall über Leben und Tod entscheiden.
Zentrale Kritikpunkte im Überblick
- Schrittweise Reduzierung der Standorte
Die Spitäler in Schladming und Bad Aussee werden zunehmend zurückgebaut. - Keine kurzfristige Stärkung von Rottenmann
Ein Ausbau ist – wenn überhaupt – erst in 12 bis 16 Jahren vorgesehen. - Unsichere Kooperationen mit Nachbarregionen
Vereinbarungen, etwa mit Bad Ischl, sind jährlich kündbar und bieten keine langfristige Versorgungssicherheit. - Eingeschränkter Zugang zu Leistungen
Behandlungen außerhalb der Steiermark sind nur für Akutfälle möglich. Planbare Eingriffe müssen im Bezirk bzw. in Rottenmann erfolgen. - Negative wirtschaftliche Auswirkungen
Fehlende Perspektiven im Gesundheitsbereich schwächen den Bezirk und beschleunigen die Abwanderung – auch von medizinischem Personal. - Grundsatzfrage der politischen Ausrichtung
Aussagen aus der KAGes-Führung legen nahe, dass kein Leitspital im Bezirk vorgesehen ist – weder in Rottenmann noch in Stainach. Für viele stellt sich daher die Frage: Wurde der Bezirk Liezen in Graz bereits abgeschrieben?
Standort Stainach: Blockiertes Potenzial
Das Grundstück in Niederhofen (Gemeinde Stainach-Pürgg), das ursprünglich für ein Leitspital vorgesehen war, befindet sich weiterhin im Eigentum der KAGes.
Eine alternative Nutzung ist derzeit praktisch ausgeschlossen:
- Im Flächenwidmungsplan ist ausschließlich eine Krankenhausnutzung vorgesehen
- Eine Umwidmung wäre nur durch Gemeinderatsbeschluss möglich
- Aufgrund ausreichender Baulandreserven ist eine Umwidmung derzeit unrealistisch
Damit bleibt das Grundstück gebunden – ohne konkrete Perspektive für eine Nutzung oder wirtschaftliche Verwertung.
Politischer Wille in Stainach bleibt aufrecht
Bei einem Treffen am 18. März zwischen dem Verein Pro Klinikum und den politischen Vertretern von Stainach-Pürgg wurde ein klares Signal gesetzt:
Alle Fraktionen sowie der designierte Bürgermeister sprechen sich weiterhin geschlossen für die Wiederaufnahme von „Plan A“ – ein Leitspital im Bezirk Liezen / Klinikum Stainach – aus.
Ausseerland: Kurzfristige Lösung statt nachhaltiger Strategie
Die Entscheidungsträger im Ausseerland haben sich gegen eine gemeinsame Lösung für ein Leitspital ausgesprochen. Stattdessen wurde ein Kompromiss akzeptiert, der lediglich eine Tagesklinik und Notfallversorgung in Bad Aussee vorsieht.
Kritisch daran:
- Eine vergleichbare Versorgung wäre auch mit einem Leitspital möglich gewesen
- Langfristige Versorgungssicherheit für den gesamten Bezirk wurde zugunsten regionaler Einzelinteressen aufgegeben
Die Darstellung dieser Lösung als Erfolg wird von vielen als realitätsfern bewertet. Gleichzeitig zeigt sich zunehmend – sowohl in Teilen der Bevölkerung als auch in Gemeinderäten – eine wachsende Unterstützung für ein zentrales Leitspital.
Ausblick: Kampf um eine selbstbestimmte Gesundheitsversorgung
Der Verein Pro Klinikum Stainach will sich weiterhin dafür einsetzen, dass der Bezirk Liezen eine moderne, eigenständige und verlässliche Gesundheitsversorgung erhält.
Trotz der aktuell schwierigen Ausgangslage gibt es auch Anlass zur Hoffnung:
- Reformen im Gesundheitswesen auf Bundes- und Landesebene stehen bevor
- Im Expertenbereich wächst die Zustimmung zu einem Leitspital-Modell im Bezirk



