Wolf in Wohngebieten von Judenburg

Wolf in Wohngebieten von Judenburg © Kranz
Bauernbund fordert rasches Handeln zum Schutz der Bevölkerung

Mit der aktuellen Wolfssichtung in St. Peter ob Judenburg ist eine neue Eskalationsstufe erreicht: Was lange Zeit als fernes Problem abgelegener Almen galt, ist nun mitten im ländlichen Siedlungsraum angekommen. Dem Steirischen Bauernbund vorliegende Fotos und Videos zeigen einen Wolf, der unbeirrt durch Wohngebiete streift – durch Straßen, Gärten und nahe an Häuser heran. Die Scheu vor dem Menschen geht zunehmend verloren, die Sorge in der Bevölkerung wächst.

„Dass Wölfe mittlerweile durch Privatgärten laufen und auf Terrassen auftauchen, zeigt klar: Vor dieser Entwicklung haben wir seit Jahren gewarnt – und sie ist nun Realität geworden“, betont Bauernbund-Obfrau Simone Schmiedtbauer. „Es geht längst nicht mehr nur um den Schutz unserer Nutztiere, sondern um die Sicherheit der Menschen im gesamten ländlichen Raum.“

Eine im Auftrag des Umweltschutzministeriums (BMLUK) erstellte Studie der Universität für Bodenkultur (BOKU) aus Oktober dieses Jahres bestätigt die zunehmende Brisanz. Seit Beginn der 2000er-Jahre breitet sich der Wolf in Europa kontinuierlich aus – mit jährlichen Zuwachsraten von bis zu 30 Prozent. Parallel dazu steigen die Konflikte mit Landwirtschaft, Nutztierhaltung und der ländlichen Bevölkerung. Sichtungen und Risse in Siedlungsgebieten führen dazu, dass der Wolf zunehmend als potenzielles Sicherheitsrisiko wahrgenommen wird.

Für Bauernbund-Direktor Bernd Brodtrager ist die Situation eindeutig: „Der Wolf taucht immer häufiger in Wohngebieten, auf Kinderspielplätzen und in Privatgärten auf. Wir werden sicher nicht abwarten, bis es zu Angriffen auf Menschen kommt. Jetzt braucht es entschlossene Maßnahmen.“

Auf EU-Ebene wurde heuer bereits die Senkung des Schutzstatus des Wolfes beschlossen. Die Umsetzung liegt nun bei den Bundesländern. In der Steiermark ist die bestehende Wolfsverordnung aus Sicht von Landwirten, Almbewirtschaftern und Jägern jedoch nicht praxistauglich und den aktuellen Herausforderungen nicht gewachsen.

Die im Juli angekündigte Reform, wonach jene Tierarten, deren Ausbreitung zu massiven Nutzungskonflikten führt, künftig im Jagdgesetz geregelt werden sollen, ist für den Bauernbund der entscheidende Schritt. „Der heutige Vorfall macht klarer denn je: Wir brauchen rasch ein funktionierendes, praxistaugliches Raubtiermanagement“, so Schmiedtbauer abschließend. „Niemand will eine Tierart ausrotten. Aber wir stehen kompromisslos an der Seite unserer Bäuerinnen und Bauern sowie der Bevölkerung im ländlichen Raum. Eine Regelung im Jagdgesetz ist das notwendige Fundament für eine wirksame Wolfsverordnung.“

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