Bauernbund fordert strengere Kontrollen

Bauernbund fordert strengere Kontrollen © Christophe Licoppe
Rindfleischskandal aus Brasilien

Offener Brief an EU-Gesundheitskommissar Várhelyi – Steirischer Bauernbund drängt auf konsequente Lebensmittelkontrollen und Umsetzung eines 5-Punkte-Schutzprogramms.

Steiermark – Berichte über Rindfleischimporte aus Brasilien, in denen in der EU verbotene Wachstumshormone wie Trenbolon sowie dessen Abbauprodukt Trendion nachgewiesen wurden, sorgen beim Steirischen Bauernbund für große Besorgnis. Der Einsatz solcher Hormone ist in der Europäischen Union seit Jahrzehnten untersagt. Umso alarmierender ist es aus Sicht der bäuerlichen Interessenvertretung, wenn derartige Produkte dennoch auf den europäischen Markt gelangen.

Für den Steirischen Bauernbund bestätigt der aktuelle Vorfall einmal mehr die grundlegenden Bedenken im Zusammenhang mit dem Mercosur-Abkommen.
„Wir haben von Beginn an vor den Risiken gewarnt. Dabei geht es nicht nur um den existenziellen Schutz unserer kleinstrukturierten Familienbetriebe, sondern auch um den gesundheitlichen Schutz der Konsumentinnen und Konsumenten. Wachstumshormone sind in der EU seit 1989 aus gutem Grund verboten. Wenn Fleisch mit solchen Substanzen trotzdem in die EU importiert wird, dann funktioniert das Kontrollsystem nicht ausreichend – und das darf nicht passieren“, betont Bernd Brodtrager, Direktor des Steirischen Bauernbundes.

Offener Brief an EU-Gesundheitskommissar Várhelyi

Der Steirische Bauernbund fordert daher ein konsequenteres Vorgehen bei Lebensmittelimporten. In einem offenen Brief richten Bauernbundobfrau Landesrätin Simone Schmiedtbauer und Direktor Bernd Brodtrager eine klare Aufforderung an EU-Gesundheitskommissar Oliver Várhelyi, der unter anderem für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in der Europäischen Union zuständig ist.

Die bestehenden Importkontrollen müssten deutlich strenger und konsequenter umgesetzt werden. Bei Verstößen gegen EU-Rechtsvorschriften dürften entsprechende Produkte keinen Zugang zum europäischen Markt erhalten.

Brodtrager verweist in diesem Zusammenhang auch auf andere Agrarprodukte:
„Auch bei Produkten wie Mais oder Zucker werden Pflanzenschutzmittel eingesetzt, die in der EU zum Schutz der Konsumentinnen und Konsumenten verboten wurden. Deshalb brauchen wir neben strengeren Kontrollen auch klare Importverbote für Produkte, die nicht unseren europäischen Produktionsstandards entsprechen. Es geht um alle Menschen, die täglich essen – und um jene, die unser Essen produzieren.“

5-Punkte-Schutzpaket für faire Wettbewerbsbedingungen

Vor dem Hintergrund des Mercosur-Abkommens fordert der Steirische Bauernbund gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer Steiermark erneut die Umsetzung eines umfassenden 5-Punkte-Schutzprogramms. Dieses wurde von Landwirtschaftskammerpräsident Andreas Steinegger bereits nach der Mercosur-Abstimmung eingefordert.

1. Stopp für Importe mit niedrigeren Standards
Lebensmittelimporte sollen nur dann zugelassen werden, wenn sie den gleichen Umwelt-, Tierwohl- und Produktionsstandards entsprechen wie Produkte aus der EU. Gleichzeitig braucht es deutlich verschärfte Grenzkontrollen.

2. Durchgängige Herkunftskennzeichnung
Eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung für alle Lebensmittel auf europäischer Ebene – insbesondere für verarbeitete Produkte – sowie eine Ausweitung bis in die Gastronomie auf nationaler Ebene.

3. Krisenfeste Schutzklauseln
Automatische Marktmechanismen sollen bei starken Preisverwerfungen oder massivem Importdruck rasch greifen, um landwirtschaftliche Betriebe zu schützen.

4. Eigenständiges und fair finanziertes EU-Agrarbudget
Ein inflationsangepasstes EU-Agrarbudget soll stabile bäuerliche Einkommen sichern und die Versorgung langfristig gewährleisten.

5. Leistbare Betriebsmittel
Die Sicherstellung leistbarer Betriebsmittel, insbesondere bei Düngemitteln. Dazu gehört auch eine Überprüfung beziehungsweise Aussetzung der CO₂-Bepreisung, um Wettbewerbsnachteile für europäische Betriebe zu vermeiden.

„Wer von unseren bäuerlichen Betrieben höchste Standards verlangt, muss auch sicherstellen, dass diese Standards für importierte Produkte gelten. Alles andere schwächt unsere Versorgungssicherheit, benachteiligt heimische Familienbetriebe und gefährdet letztlich auch das Vertrauen der Konsumentinnen und Konsumenten“, so Brodtrager abschließend.

Den offenen Brief an EU-Gesundheitskommissar Oliver Várhelyi finden Sie hier:
https://www.stbb.at/offener-brief-oliver-varhelyi-zum-rindfleischimport/

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