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Adler von Liezen auch international

Empfehlung Adler von Liezen auch international
Neue Höhenflüge des Adlers von Liezen  – nun auch international!

Seit genau 10 Jahren mischt der Liezener Alexander Robé in der Gleitschirm-Streckenflug-Szene mit - und diese in der vergangenen Saison auch international auf.

Wir haben den „Adler von Liezen" zum Interview gebeten, um das Geheimnis hinter den Erfolgen näher zu erläutern.

„Alles ist natürlich gewachsen. Aber heuer habe ich über den Winter nochmals intensiv mental gearbeitet und erstmals professionelle Coachings in Anspruch genommen.

Dies half mir einige fliegerische Schwachstellen zu identifizieren, die richtige Wetterlage für weite Flüge eindeutiger zu erkennen und dann während des Fluges die besten Entscheidungen schnell zu treffen. Die Luft oben ist dünn!" Damit meint Robé nicht nur das Fliegen in lichten Höhen bis 4000m, sondern auch das Bewegen im internationalen Piloten-Spitzenfeld: „Wir haben mit den Alpen eines der schönsten und auch Streckenflug-mäßig ergiebigsten Fluggebiete der Welt direkt vor der Haustür. Aber wir sehen, dass andere Regionen der Welt in den letzten Jahren stark aufgeschlossen haben. Immer mehr extrem weite Flüge werden von Brasilien, Kenia bzw. Südafrika vermeldet, wo günstige (Rücken-)Winde ordentlich anschieben und Wolkenuntergrenzen bis zu 5500m keine Seltenheit sind.

Für ein so langsam fliegendes Gerät wie einen Gleitschirm sind das hervorragende Bedingungen, um weit zu fliegen. Allerdings werden dort zumeist freie Strecken geflogen, die – gerechterweise – keine Punkteaufwertung erhalten."
Mit Punkten wird in der Streckenflug-Szene die „Wertigkeit" eines Fluges festgelegt. Bei Flügen in eine Richtung (sog. „Freie Strecken") wird nur die Kilometer-Zahl gewertet. Bei Flügen, die wieder zum Startpunkt führen („Ziel-Rück") werden die geflogenen Kilometer mit 1.2 multipliziert. Bei gleichseitigen Dreiecken (FAI-Dreieck) beträgt dieser Faktor 1.4. Letztere ist die schwierigste und gleichzeitig Lieblings-Disziplin des Obersteirers.

Ganz anders die Regeln bei der Gleitschirm-Staatsmeisterschaft 2014 in Kössen, wo ein Starterfeld von insgesamt 116 Piloten um den begehrten Titel buhlte. Hierbei gilt für alle Piloten, dieselbe vorgegebene Strecke schnellstmöglich zu absolvieren. Nach Massenstart in der Luft also wie in der Formel 1: Wer als erster über die Linie fliegt, ist Sieger!

Bei herrlichem Pfingstwetter wurden 4 Tasks absolviert und Robé gelang dabei ein 2. Platz in seiner Gleitschirm-Klasse. Umso beachtlicher, da sich der Produktmanager bei AHT in den letzten Jahren klar seiner Passion Streckenflug gewidmet hatte und wenn überhaupt nur bei einem Liga-Bewerb im Jahr dabei war. Gratulation!

Fünf seiner 6 gewerteten Streckenflüge 2014 waren solche FAI-Dreiecke, die abwechselnd an der Alpen-Nord- und Alpen-Südseite in die Luft gezaubert wurden und ihn so auf Platz 11 der Internationalen Streckenflug-Wertung brachten. Besonders sei diese Saison zudem gewesen, weil die Hälfte dieser Flüge praktisch vor der Haustür – vom Stoderzinken/Gröbming aus - gestartet wurde. „Wunderbar, dass wir damit heuer zeigen konnten, dass man nicht unbedingt bei jeder guten Wetterlage in die schon bekannten Streckenflug-Mekkas pilgern muss, um wirklich weit zu fliegen."

Solche Rekord-Flüge gelingen nur bei speziellen Bedingungen: Bei üblicherweise wenig Wind, leichter Bewölkung und guter Thermik.
„Klingt eigentlich simpel, aber solch spezielle Wetterlagen stellen sich in der Tat vielleicht 5-10 Mal pro Jahr ein. Bei so wenigen Chancen muss dann aber alles am Punkt passen: Vom Arbeitgeber, der Startplatzwahl bis hin zu jeder Entscheidung während eines 11-Stunden-Flugs, damit am Ende das maximal Mögliche aus der Tagesqualität herausgequetscht werden kann.

Klingt anstrengend, ist es aber nicht wirklich, wie uns Robé versichert: "Ich liebe das Gleitschirm-Fliegen hoch über unserer Bergwelt! Selbst bei sehr langen Flügen bin ich bis zur letzten Minute dabei vollkommen im Flow: Nur der Moment zählt! Ich gehe nur bei schwachwindigen Bedingungen (<20km/h) fliegen und diese sind üblicherweise ein Hochgenuss, da der Schirm kaum wackelt", grinst Robé. „Man wächst früh am Tag mit schwacher Thermik quasi in den Tag hinein. Über die Mittagsstunden ist die Thermik am stärksten und es geht zügig dahin, bevor am Abend die Aufwinde wieder sanfter, großflächiger werden, bis sie wieder komplett einschlafen.

Ein herrlicher Zyklus!" schwärmt Robé. Wir können es nachvollziehen - zumindest ansatzweise. „Mit etwas Erfahrung blendet man das Schirmsteuern ins Unterbewusstsein aus und kann sich nur noch dem Flugerlebnis selbst hingeben – und dieses Spiel mit den Elementen ist ein extrem vielseitiges: selbst wenn Du zehn Mal dieselbe Strecke fliegst, ist sie doch nie gleich. Allein schon eine andere Windrichtung reicht aus und der sonst übliche Flugpfad funktioniert nicht mehr und Du stehst am Boden."
„Gerade diese Komplexität hält die Motivation hoch und lässt einen sich sehr oft als Pionier fühlen – ein Naturerlebnis auf intensivstem Niveau: Man kann zwar stets besser werden, aber das Fliegen nie wirklich können" führt der 39jährige Familienvater weiter aus, der durchaus zugibt, Spaß am Perfektionismus und an er „Ehrlichkeit" beim Fliegen zu haben.

„Das Gleitschirmfliegen ist ein sehr ehrlicher Sport. Hast Du einmal eine schlechte Entscheidung getroffen – bist zum Beispiel in einen Abwindbereich geflogen – dann musst Du da auch wieder selber raus. Niemand anderer ist schuld oder kann Dir dabei helfen. Du kannst nicht einfach Gas geben und abhauen. Du und die Natur müssen das alleine gebacken kriegen, willst Du nicht vorzeitig am Boden stehen."

Zu Saison-Abschluss legt Robé somit eine Jahresbilanz vor, die sich sehen lassen kann:
11. Platz Streckenflug international (alle Paragleiter aller Klassen weltweit!)
2. Platz österr. Liga-Staatsmeisterschaft, Sportklasse
weitester freier Streckenflug: 247km FAI-Dreieck – und dies vom Stoderzinken!

Wo plant Robé seine weiteren Höhenflüge und was sind die nächsten Ziele? „Daheim ist daheim! Ich möchte das weite Streckenfliegen in meiner unmittelbaren Region weiter in den Vordergrund stellen, weiterhin Spaß haben beim Fliegen mit Freunden und verletzungsfrei bleiben."

Bleibt noch ein Hinweis und zugleich bitte um Mithilfe: Die Lufträume sollen im Zuge der EU-Harmonisierung noch sicherer werden – nirgends (nicht einmal bei unseren deutschen Nachbarn) wird dabei so über das Ziel hinausgeschossen wie bei uns.
Teilweise empfindliche Absenkungen der Luftraum-Untergrenzen würden Verkehrsmaschinen tiefer fliegen lassen und nebst erhöhter Lärmbelästigung für Otto-Normalverbraucher auch Gleitschirm-Streckenflüge in vielen Regionen praktisch unmöglich machen – und das ohne, dass es in den vergangenen Jahren zu Zwischenfällen gekommen ist. 

Auf der Seite http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXV/PET/PET_00025/ gibt es eine Parlamentarische Petition, diese vollkommen überzogene Novelle neu und im Sinne aller Luftraumnutzer zu regeln. Danke für die Unterstützung des Demokratie-Prozesses!

Links:
Piloten-Blog von Lex Robé mit vielen Foto-Stories und Videos: http://lex.xalps.com
Alle Strecken der Saison 2014: http://www.xcontest.org/2014/austria/piloten/details:Lex
FAI-Streckenflug-Weltrangliste: http://wxc.fai.org/module.php?id=22&date=20140930&gliderclass=pgo

 

 

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