Unsere Pension steht unter Druck
- verfasst von BLO24
- Fenstergucker
Die gesetzliche Pension gehört für Millionen Österreicher zu den wichtigsten Säulen ihrer finanziellen Zukunft. Doch die Bevölkerung wird älter, geburtenstarke Jahrgänge gehen in Pension und immer weniger Erwerbstätige müssen immer mehr Pensionistinnen und Pensionisten mitfinanzieren. Droht kommenden Generationen deshalb eine Pension, von der man kaum noch leben kann? Ein Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt: Die Pension wird nicht verschwinden – aber das System steht vor Veränderungen.
Die wichtigste Antwort zuerst: Wird es in Zukunft noch eine staatliche Pension geben?
Nach heutigem Stand: Ja.
Es gibt derzeit keinen seriösen Hinweis darauf, dass die gesetzliche Pension in Österreich abgeschafft werden könnte. Auch langfristige Berechnungen reichen bis zum Jahr 2070 und gehen weiterhin von einem staatlichen Pensionssystem aus.
Die eigentliche Herausforderung liegt bei dessen Finanzierung. Laut langfristiger Projektion sollen die Pensionsausgaben von rund 13,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2022 auf etwa 14,0 Prozent im Jahr 2070 steigen.
Die Pension dürfte also bleiben. Wahrscheinlich ist aber, dass der Staat immer wieder an Stellschrauben drehen muss: beim tatsächlichen Pensionsantritt, bei Frühpensionen, Versicherungsjahren, Beiträgen oder bei der Berechnung und Anpassung der Pensionen.
Das Grundproblem: Immer mehr Geld wird benötigt
Die Alterssicherungskommission sieht bereits für die kommenden Jahre steigenden Finanzierungsbedarf. Die Aufwendungen der gesetzlichen Pensionsversicherung wachsen stärker als die Einnahmen. Besonders deutlich wird das beim Zuschuss aus dem Bundesbudget: Die Bundesmittel für die gesetzliche Pensionsversicherung sollen von 2,45 Prozent des BIP im Jahr 2018 auf voraussichtlich 4,23 Prozent im Jahr 2030 steigen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass das System unmittelbar vor dem Kollaps steht. Pensionen werden in Österreich nicht ausschließlich aus den Beiträgen der aktuell Beschäftigten finanziert. Der Bund schießt bereits erhebliche Steuermittel zu.
Genau darin liegt jedoch die politische Herausforderung: Jeder zusätzliche Milliardenbetrag für Pensionen steht im Bundesbudget nicht gleichzeitig für andere Bereiche wie Gesundheit, Pflege, Bildung, Infrastruktur oder Entlastungen zur Verfügung.
Wie viel Pension wird man künftig bekommen?
Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht. Die Höhe hängt wesentlich davon ab, wie lange jemand versichert war und wie hoch das Einkommen beziehungsweise die Beitragsgrundlage während des Erwerbslebens war.
Im österreichischen Pensionskonto werden pro Jahr 1,78 Prozent der jährlichen Beitragsgrundlage als Teilgutschrift verbucht. Die angesammelten und aufgewerteten Gutschriften ergeben beim Pensionsantritt die Jahrespension. Diese wird durch 14 geteilt und ergibt grundsätzlich die monatliche Bruttopension vor allfälligen Zu- oder Abschlägen.
Vereinfacht bedeutet das:
Lange arbeiten + gutes Einkommen = höhere Pension.
Wenige Versicherungsjahre + niedrige Einkommen oder längere Lücken = deutlich niedrigere Pension.
Damit wird das persönliche Pensionskonto für jüngere Generationen immer wichtiger. Es zeigt wesentlich besser als allgemeine Durchschnittswerte, was jemand tatsächlich erwarten kann.
Was bekommen die Pensionisten der nächsten Jahre?
Die aktuellen Budgetprognosen geben zumindest einen Anhaltspunkt.
Für 2027 rechnet die Bundesregierung mit rund 2,63 Millionen Pensionsbeziehern und einer durchschnittlichen monatlichen Pension von etwa 1.776 Euro brutto – 14-mal jährlich.
2028 sollen bereits rund 2,65 Millionen Menschen eine Pension beziehen. Die durchschnittliche monatliche Pension wird mit rund 1.827 Euro brutto prognostiziert. Gleichzeitig stehen rund 4,5 Millionen Pflichtversicherte als Beitragszahler gegenüber.
Diese Durchschnittswerte sagen allerdings wenig über die persönliche Pension aus. Zwischen Menschen mit jahrzehntelanger Vollzeitbeschäftigung und Personen mit langen Teilzeitphasen oder Erwerbsunterbrechungen können erhebliche Unterschiede bestehen.
2027 steigen die Pensionen um 2,95 Prozent
Für 2027 ist die Anpassung bereits geregelt. Gesamtpensionseinkommen bis 6.930 Euro monatlich werden um 2,95 Prozent erhöht. Darüber gibt es einen Fixbetrag von 204,44 Euro.
Die Ausgleichszulagenrichtsätze werden 2027 um 3,3 Prozent angehoben.
Länger arbeiten wird zunehmend zum Thema
Eine der deutlichsten Veränderungen betrifft bereits die Korridorpension.
Seit 2026 wird deren frühestmögliches Antrittsalter schrittweise von 62 auf 63 Jahre angehoben. Gleichzeitig steigen die erforderlichen Versicherungszeiten von 40 auf letztlich 42 Jahre. Ab 2029 gilt grundsätzlich: Korridorpension frühestens mit 63 Jahren und 504 Versicherungsmonaten.
Auch bei Frauen läuft eine historische Veränderung: Ihr Regelpensionsalter wird seit 2024 schrittweise angehoben. Ab 2033 liegt das Regelpensionsalter für Frauen und Männer bei 65 Jahren.
Seit 2026 gibt es außerdem die Teilpension. Wer bereits Anspruch auf eine entsprechende Pension hat, kann unter bestimmten Voraussetzungen seine Arbeitszeit reduzieren und gleichzeitig einen Teil seiner Pension beziehen. Damit soll ein gleitender Übergang vom Berufsleben in den Ruhestand ermöglicht werden.
Und was passiert, wenn das System zu teuer wird?
Genau dafür wurde ein sogenannter Nachhaltigkeitsmechanismus beschlossen.
Werden die vorgesehenen Budgetpfade deutlich überschritten, sind weitere Maßnahmen vorgesehen. Diese können unter anderem Versicherungsjahre, Pensionsbeiträge, den Kontoprozentsatz und damit die Pensionshöhe, das Pensionsalter, die jährlichen Pensionserhöhungen oder andere Anspruchsvoraussetzungen betreffen.
Das ist für jüngere Menschen möglicherweise der wichtigste Punkt: Niemand kann heute garantieren, dass sämtliche Regeln in 20, 30 oder 40 Jahren noch genauso aussehen wie heute.
Müssen die Jungen deshalb um ihre Pension fürchten?
Um die Existenz einer gesetzlichen Pension eher nicht – um deren zukünftige Rahmenbedingungen sehr wohl.
Österreich verfügt weiterhin über ein leistungsfähiges staatliches Pensionssystem. Gleichzeitig wird die Finanzierung schwieriger, weil die Gesellschaft altert und die Zahl der Pensionisten hoch bleibt.
Deshalb dürfte sich die Diskussion künftig weniger um die Frage „Gibt es überhaupt noch eine Pension?“ drehen, sondern vielmehr um:
„Wie lange müssen wir dafür arbeiten – und wie viel bekommen wir am Ende?“
Für heute 20- oder 30-Jährige ist daher zusätzliche private Vorsorge durchaus sinnvoll, sofern sie finanziell möglich ist. Sie sollte allerdings nicht als Ersatz für die gesetzliche Pension verstanden werden, sondern als zusätzliche Säule – etwa über Ersparnisse, Wertpapiere, betriebliche Vorsorge oder andere langfristige Vermögensbildung.
Fazit: Die Pension bleibt – aber sie wird uns immer mehr beschäftigen
Ein völliges Verschwinden der österreichischen Pension ist nach den derzeitigen langfristigen Prognosen nicht zu erwarten. Viel wahrscheinlicher ist eine schrittweise Anpassung des Systems.
Wir werden also auch in Zukunft Pension bekommen. Doch spätere Generationen müssen möglicherweise länger arbeiten, mehr Versicherungsjahre vorweisen oder einen größeren Teil ihrer Altersvorsorge selbst aufbauen.
Die entscheidende Herausforderung für Österreich lautet deshalb nicht, ob es 2040, 2050 oder 2070 noch Pensionen geben wird.
Die entscheidende Frage lautet: Wie schaffen wir es, dass sie auch dann noch finanzierbar sind – und gleichzeitig hoch genug bleiben, damit Menschen nach einem langen Arbeitsleben davon gut leben können?



