Der geplante Klimaschutz mit Augenmaß
- verfasst von BLO24
- Panoptikum
Österreich plant ein neues Klimaschutzgesetz. Klimaneutralität bis 2040, verbindlichere Emissionsziele und ein Klimafahrplan sollen den Ausstieg aus fossilen Energieträgern vorantreiben. Doch was bedeutet das für die Bevölkerung im Bezirk Liezen? Gerade eine große, dünn besiedelte Region hat völlig andere Voraussetzungen als eine Großstadt.
Das geplante Klimagesetz soll Österreichs Klimaneutralität bis 2040 gesetzlich verankern. Vorgesehen sind unter anderem Emissionsziele, laufende Kontrollen sowie ein Klimafahrplan mit konkreten Maßnahmen. Viele Details sind allerdings noch offen und werden erst mit der endgültigen gesetzlichen Ausgestaltung beziehungsweise dem Klimafahrplan feststehen.
Liezen ist größer als Wien und Vorarlberg zusammen
Eine Besonderheit darf bei der Diskussion nicht übersehen werden: Der Bezirk Liezen umfasst rund 3.318 Quadratkilometer.
Damit ist der Bezirk flächenmäßig sogar größer als Wien und Vorarlberg zusammen, die gemeinsam auf rund 3.018 Quadratkilometer kommen.
Gleichzeitig leben im Bezirk Liezen nur rund 80.000 Menschen. Große Entfernungen, Berge, Täler und eine geringe Bevölkerungsdichte bestimmen den Alltag. Genau deshalb können Klimaschutzmaßnahmen hier völlig andere Auswirkungen haben als in Ballungsräumen.
Die Chancen: Energie sparen und regionale Wirtschaft stärken
Ein konsequenter Ausbau erneuerbarer Energien könnte für Liezen große Vorteile bringen. Wasserkraft, Biomasse, Photovoltaik und Energiegemeinschaften bieten gute Voraussetzungen, um die Abhängigkeit von Öl und Gas zu reduzieren.
Investitionen in Gebäudesanierungen, Heizungen, Photovoltaik, Stromnetze und Ladeinfrastruktur könnten zudem heimischen Installateuren, Elektrikern, Bauunternehmen und anderen regionalen Betrieben zusätzliche Aufträge bringen.
Auch der Schutz vor den Folgen des Klimawandels ist für den alpinen Bezirk wichtig. Starkregen, Hochwasser, Trockenheit, Waldschäden und sinkende Schneesicherheit können Landwirtschaft, Gemeinden und Tourismus erheblich belasten.
Die Risiken: Wer bezahlt die Umstellung?
Die entscheidende Frage für viele Bürger lautet jedoch: Was kostet mich das?
Neue Heizsysteme, Gebäudesanierungen oder ein Elektroauto können hohe Investitionen erfordern. Besonders Familien, Pensionisten und Menschen mit niedrigerem oder mittlerem Einkommen könnten überfordert werden, wenn neue Vorgaben nicht durch ausreichende Förderungen und lange Übergangsfristen begleitet werden.
Klimaschutz darf deshalb nicht dazu führen, dass sich nur wohlhabende Haushalte die notwendige Umstellung leisten können.
Das Auto ist am Land oft unverzichtbar
Besonders kritisch ist der Verkehrsbereich.
Wer in Wien lebt, verfügt vielerorts über U-Bahn, Straßenbahn, Bus und Bahn. Im Bezirk Liezen sieht die Realität anders aus. Menschen in Seitentälern, Schichtarbeiter oder Pendler sind häufig auf das Auto angewiesen.
Steigende Kosten für fossile Mobilität treffen ländliche Regionen daher besonders stark, solange keine brauchbaren Alternativen vorhanden sind.
Auch Elektromobilität löst nicht jedes Problem. Elektroautos müssen leistbar sein, außerdem braucht es ausreichend Ladeinfrastruktur.
Die richtige Reihenfolge muss daher lauten: Zuerst attraktive Alternativen schaffen – und erst danach den Umstieg verlangen.
Landwirtschaft, Tourismus und Wirtschaft
Land- und Forstwirtschaft sind vom Klimawandel unmittelbar betroffen, könnten durch zusätzliche Vorgaben bei Maschinen, Gebäuden und Energie aber auch finanziell belastet werden.
Ähnliches gilt für den Tourismus. Weniger Schneesicherheit kann Wintersportregionen langfristig treffen, während neue Klimaschutzmaßnahmen gleichzeitig Investitionen notwendig machen.
Auch heimische Industrie-, Transport- und Gewerbebetriebe müssen international wettbewerbsfähig bleiben. Werden Energie und Produktion in Österreich wesentlich teurer als anderswo, könnten Investitionen und Arbeitsplätze gefährdet werden.
Andererseits können Unternehmen profitieren, wenn sie frühzeitig auf neue Technologien setzen und dadurch Wettbewerbsvorteile erzielen.
Nicht automatisch neue Strafen für Bürger
Wichtig ist: Aus den bisher bekannten Eckpunkten lässt sich nicht ableiten, dass mit dem Klimagesetz automatisch neue Verbote oder Strafen für einzelne Bürger kommen.
Das Gesetz soll zunächst Klimaziele und politische Verantwortlichkeiten festlegen. Welche konkreten Vorschriften später für Verkehr, Gebäude, Heizungen oder Unternehmen gelten, hängt von der weiteren gesetzlichen Ausgestaltung ab.
Genau darüber wird politisch gestritten: Während Wirtschaftsvertreter vor zu hohen Kosten und Wettbewerbsnachteilen warnen, kritisieren Umweltorganisationen und Grüne, dass die vorgesehenen Instrumente möglicherweise nicht streng genug seien, um die Klimaziele tatsächlich zu erreichen.
Fazit: Klimaschutz muss auch am Land funktionieren
Klimaschutz kann für den Bezirk Liezen große Chancen bringen: weniger Abhängigkeit von Öl und Gas, regionale Energieproduktion, neue Aufträge für heimische Unternehmen und besseren Schutz vor den Folgen des Klimawandels.
Er kann aber auch zur finanziellen Belastung werden, wenn Vorgaben schneller kommen als leistbare Alternativen.
Ein Bezirk, der mit rund 3.318 Quadratkilometern größer ist als Wien und Vorarlberg zusammen, braucht andere Lösungen als eine Großstadt.
Große Entfernungen, Pendlerverkehr, alpine Täler, Landwirtschaft und Tourismus müssen berücksichtigt werden.
Ein gutes Klimaschutzgesetz muss deshalb beides schaffen: Österreichs Emissionen wirksam reduzieren und gleichzeitig dafür sorgen, dass Klimaschutz für die Menschen im Bezirk Liezen leistbar und im täglichen Leben tatsächlich umsetzbar bleibt.



