Der Traum vom leistbaren Zuhause
- verfasst von BLO24
- Panoptikum
Der Bezirk Liezen zählt zu den landschaftlich attraktivsten Regionen Österreichs. Doch zwischen Dachstein, Ennstal, Ausseerland und Gesäuse wird eine Frage für viele Menschen immer wichtiger: Kann ich mir das Wohnen in meiner Heimat auch in Zukunft noch leisten? Steigende Mieten, kleinere Haushalte und unterschiedliche Entwicklungen zwischen Tourismusorten und ländlichen Gemeinden stellen die Region vor neue Herausforderungen. Gleichzeitig zeigen aktuelle Wohnbauprojekte, dass leistbares Wohnen auch abseits der Ballungsräume zunehmend zum zentralen Zukunftsthema wird.
Wohnen kostet immer mehr
Die Entwicklung ist längst nicht nur in Wien, Salzburg oder Innsbruck spürbar. Wohnen ist in ganz Österreich deutlich teurer geworden. Im ersten Quartal 2026 lag die durchschnittliche Miete inklusive Betriebskosten österreichweit bereits bei 695,10 Euro pro Wohnung beziehungsweise 10,50 Euro pro Quadratmeter. Gegenüber dem letzten Quartal 2025 bedeutete das einen weiteren Anstieg.
Die Steiermark liegt zwar noch unter dem österreichischen Durchschnitt, billig ist Wohnen deshalb aber längst nicht mehr. Im Jahr 2025 kostete eine Hauptmietwohnung in der Steiermark inklusive Betriebskosten durchschnittlich 624,60 Euro im Monat beziehungsweise 9,80 Euro pro Quadratmeter. Bei privaten beziehungsweise anderen Mietverhältnissen außerhalb von Gemeinde- und Genossenschaftswohnungen lag der Durchschnitt sogar bei 10,90 Euro pro Quadratmeter. Heizungs-, Warmwasser- und teilweise Parkplatzkosten sind dabei noch nicht berücksichtigt.
Gerade für Menschen mit kleineren Einkommen, Alleinerziehende, Pensionisten oder junge Erwachsene, die erstmals eine eigene Wohnung beziehen wollen, kann daraus schnell eine erhebliche monatliche Belastung entstehen.
Bezirk Liezen: Immer mehr Wohnungen für kleinere Haushalte
Besonders interessant ist ein Blick auf die langfristige Entwicklung im Bezirk Liezen. Im Jahr 2023 gab es hier 50.194 Wohnungen. Im Jahr 2001 waren es erst 39.505. Damit stieg die Zahl der Wohnungen innerhalb von gut zwei Jahrzehnten um rund 27 Prozent.
Die Zahl der Hauptwohnsitzwohnungen erhöhte sich im selben Zeitraum allerdings lediglich von 31.905 auf 35.887 – ein Plus von rund 12,5 Prozent.
Noch deutlicher zeigt sich der gesellschaftliche Wandel bei den Haushalten: 2023 wurden im Bezirk 36.099 Privathaushalte gezählt, 2001 waren es 32.187. Gleichzeitig sank die durchschnittliche Haushaltsgröße von 2,57 auf nur noch 2,18 Personen. Besonders auffällig: Bereits 38,5 Prozent aller Haushalte sind Einpersonenhaushalte. 2001 waren es lediglich 28,7 Prozent.
Das bedeutet: Auch wenn die Bevölkerung nicht wächst, kann zusätzlicher Wohnraum benötigt werden. Immer mehr Menschen leben allein, während klassische größere Familienhaushalte anteilsmäßig zurückgehen.
Mehr Wohnungen – obwohl die Bevölkerung zurückgeht
Darin liegt eines der interessantesten Phänomene des Bezirks. Zu Jahresbeginn 2025 lebten laut Arbeitsmarktprofil 79.579 Menschen im Bezirk Liezen. Zwischen 2002 und 2025 ging die Bevölkerungszahl um rund vier Prozent zurück. Zum Vergleich: Die Steiermark wuchs im selben Zeitraum um sieben Prozent, Österreich sogar um 14,1 Prozent.
Damit steht die Region vor einer doppelten Herausforderung: Einerseits braucht es attraktiven und leistbaren Wohnraum, damit junge Menschen und Familien bleiben. Andererseits darf neuer Wohnbau nicht dazu führen, dass immer mehr Boden verbraucht wird, während bestehende Gebäude oder Wohnungen nicht dauerhaft als Hauptwohnsitz genutzt werden.
Denn von den mehr als 50.000 Wohnungen im Bezirk waren 2023 nur knapp 35.900 Hauptwohnsitzwohnungen. Diese Differenz lässt sich nicht automatisch mit Leerstand gleichsetzen – darunter fallen beispielsweise auch Nebenwohnsitze und andere nicht als Hauptwohnsitz genutzte Wohnungen. Sie zeigt aber, dass die reine Zahl neu gebauter Wohnungen allein wenig darüber aussagt, wie viel Wohnraum der Bevölkerung tatsächlich dauerhaft zur Verfügung steht.
Tourismusregionen stehen vor einer besonderen Herausforderung
Der Bezirk Liezen ist zudem kein einheitlicher Wohnungsmarkt. Zwischen Liezen, Rottenmann oder Trieben und touristisch besonders begehrten Gebieten wie Schladming-Dachstein oder dem Ausseerland bestehen erhebliche Unterschiede.
Wo eine Region gleichzeitig Wohnort, Urlaubsdestination und begehrter Zweitwohnsitz ist, konkurrieren unterschiedliche Interessen um denselben begrenzten Boden. Für Gemeinden wird damit die Frage immer wichtiger, wie genügend Wohnraum für jene Menschen erhalten beziehungsweise geschaffen werden kann, die tatsächlich das ganze Jahr in der Region leben und arbeiten.
Leistbares Wohnen ist deshalb auch eine Standortfrage. Unternehmen brauchen Mitarbeiter – und Mitarbeiter brauchen Wohnungen, die sie sich mit ihrem Einkommen leisten können.
36 neue geförderte Wohnungen mitten in Liezen
Wie moderner Wohnbau aussehen kann, zeigt ein aktuelles Projekt in der Bezirkshauptstadt. Am Bahnhofsweg/Fronleichnamsweg wurden im Sommer 36 vom Land Steiermark geförderte Mietwohnungen der SG ENNSTAL übergeben.
Nach rund 16 Monaten Bauzeit entstanden moderne Wohnungen in zentraler Lage. Das Gesamtprojekt einschließlich des geplanten ÖGK-Ambulatoriums im Erdgeschoss umfasst eine Investition von rund 15 Millionen Euro. Fernwärme, eine Photovoltaikanlage mit 42 kWp, Tiefgarage sowie Balkone beziehungsweise Dachterrassen gehören zum Konzept.
Interessant ist dabei vor allem der Standort: Statt am Ortsrand weitere Flächen zu verbrauchen, wurde mitten in Liezen nachverdichtet. Geschäfte, Schulen, öffentliche Verkehrsmittel und andere Einrichtungen sind auf kurzen Wegen erreichbar.
Gerade dieses Prinzip könnte für die Zukunft vieler Gemeinden im Bezirk entscheidend sein: bestehende Ortskerne stärken, vorhandene Flächen nutzen und zusätzlichen Bodenverbrauch möglichst vermeiden.
Die Wohnfrage entscheidet über die Zukunft der Region
Wohnen ist längst mehr als eine private Frage nach Quadratmetern und Monatsmiete. Es entscheidet darüber, ob junge Menschen nach Ausbildung oder Studium zurückkehren, ob Familien in ihrer Heimatgemeinde bleiben können, ob Pflegekräfte, Verkäufer, Handwerker oder Mitarbeiter im Tourismus dort wohnen können, wo sie arbeiten.
Der Bezirk Liezen besitzt dabei einen großen Vorteil: hohe Lebensqualität, Natur, vergleichsweise sichere Gemeinden und viele attraktive Arbeits- und Freizeitmöglichkeiten. Doch diese Lebensqualität hilft wenig, wenn ein wachsender Teil des Einkommens für Miete, Betriebskosten, Energie und Mobilität aufgewendet werden muss.
Die Zahlen zeigen gleichzeitig, dass die Lösung nicht einfach „mehr bauen“ heißen kann. Der Bezirk hat heute wesentlich mehr Wohnungen als vor zwei Jahrzehnten, obwohl die Bevölkerung zurückgegangen ist. Zugleich werden die Haushalte immer kleiner.
Die entscheidenden Fragen der kommenden Jahre lauten daher vielmehr: Wo wird gebaut? Für wen wird gebaut? Was kostet dieser Wohnraum? Und wie viel davon steht tatsächlich dauerhaft den Menschen zur Verfügung, die im Bezirk Liezen leben und arbeiten?
BLO24-Fazit
Leistbares Wohnen könnte zu einer der entscheidenden Zukunftsfragen des Bezirks Liezen werden. Geförderter Wohnbau, Nachverdichtung in bestehenden Ortszentren, die Nutzung leerstehender Gebäude und ein sorgsamer Umgang mit Grund und Boden müssen dabei zusammengedacht werden.
Denn eine lebenswerte Region braucht nicht nur Arbeitsplätze, Schulen, Ärzte und Straßen. Sie braucht vor allem eines: ein Zuhause, das sich die Menschen, die hier leben und arbeiten, auch leisten können.



