Sofortige Rettung für den Luchs

 Josef Forstinger, Herbert Wölger und Christoph Leditznig © Andreas Hollinger Josef Forstinger, Herbert Wölger und Christoph Leditznig
Warum die Nördlichen Kalkalpen jetzt handeln müssen

Positionspapier zur Bestandsstützung des Luchses in den Nördlichen Kalkalpen.

In den österreichischen Alpen steht der Luchs vor dem Verschwinden. Obwohl die Tierart seit Jahrzehnten streng geschützt ist, gibt es aktuell kein Luchsvorkommen mit regelmäßiger Reproduktion mehr. Nur noch sieben Tiere leben derzeit in den Nördlichen Kalkalpen – sie sind eng miteinander verwandt und teilweise bereits in fortgeschrittenem Alter. Seit 2018 wurde keine erfolgreiche Fortpflanzung dokumentiert.

Fachleute sind sich einig: Ohne gezielte Maßnahmen wird der Luchs in dieser Region in wenigen Jahren verschwunden sein.

Ziel: Eine selbsterhaltende Population in den Kalkalpen

Ziel des Projekts ist der Aufbau einer langfristig überlebensfähigen, genetisch stabilen Luchspopulation in den Nördlichen Kalkalpen. Diese soll sich selbst erhalten und durch natürliche Zuwanderung aus benachbarten Vorkommen zusätzlich stabilisiert werden.

Die Voraussetzungen dafür sind außergewöhnlich günstig:

Der Luchs ist eine heimische, waldbewohnende Art und erfüllt als Spitzenprädator eine zentrale ökologische Funktion im Ökosystem Wald. Er ist für den Menschen völlig ungefährlich. Über 80 % der Bevölkerung stehen seiner Rückkehr positiv gegenüber (Prof. Dr. Ulrike Pröbstl-Haider, Leben mit dem Luchs, 2024). Das Projektgebiet in der Steiermark, in Nieder- und Oberösterreich umfasst mehr als 12.000 km², davon sind über 72 % bewaldet.

Die hohe Lebensraumeignung wurde in der Machbarkeitsstudie von Dr. Felix Knauer und Theresa Walter MSc (2023) wissenschaftlich bestätigt. Vergangene Einzelprojekte haben gezeigt: Isolierte Auswilderungen reichen nicht aus, um eine stabile Population aufzubauen. Deshalb ist internationale Zusammenarbeit entscheidend.

Die europäische Plattform Linking Lynx verfolgt das Ziel, in Mitteleuropa ein Netzwerk kleiner Luchspopulationen zu schaffen, zwischen denen genetischer Austausch möglich ist.

Erfolgreiche Projekte in:

Slowenien, Italien, Schweiz, Deutschland und Tschechien.

benötigen einen ökologischen „Trittstein“ in den nordöstlichen Kalkalpen, um den genetischen Austausch großräumig zu sichern.

Österreich hat hier eine Schlüsselrolle: Eine stabile Population in den Kalkalpen wäre nicht nur ein regionales Naturschutzprojekt, sondern ein zentraler Baustein europäischer Biodiversitätsstrategie.

Auf Basis aktueller Empfehlungen wird vorgeschlagen, rund 20 genetisch nicht verwandte Individuen des Karpatenluchses (Lynx lynx carpathicus) freizulassen.

Die Tiere können sowohl aus Wildfängen als auch aus spezialisierten Zuchtprogrammen stammen. Diese gewährleisten die mittel- und langfristige Verfügbarkeit geeigneter Tiere.

Besonders geeignet sind folgende Kernräume:

Nationalpark Gesäuse, Nationalpark Kalkalpen, Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal und Die Quellenschutzwälder der Stadt Wien.

Diese großflächigen, störungsarmen Schutzgebiete bieten:

hohe Schutzgebietsanteile, ausgezeichnete Habitatqualität, professionelle Infrastruktur für Monitoring und Projektumsetzung, bestehende Kooperationen mit den Österreichische Bundesforste und Gleichzeitig bilden sie den aktuellen Kernbereich des verbliebenen Luchsvorkommens.

Dialog und Kooperation als Erfolgsfaktor

Eine nachhaltige Bestandsstützung kann nur im Schulterschluss gelingen. Geplant sind daher regionale Luchs-Arbeitskreise mit:

Grundeigentümerinnen und Grundeigentümern, Jägerschaft, Behörden, Nichtregierungsorganisationen und die Wissenschaft.

Sie sollen Transparenz schaffen, Interessensausgleich ermöglichen und die Akzeptanz langfristig sichern.

Fazit: Jetzt entscheidet sich die Zukunft des Luchses

Die Nördlichen Kalkalpen bieten eine historische Chance: Aus einem Restbestand könnte wieder eine stabile, international vernetzte Luchspopulation entstehen. Ohne rasches Handeln droht jedoch das endgültige Verschwinden dieser heimischen Wildkatze aus den österreichischen Alpen.

Österreich kann hier Verantwortung übernehmen – nicht nur für eine Art, sondern für die ökologische Zukunft des Alpenraums und für einen starken, grenzüberschreitenden Naturschutz in Europa.

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