Eine total unwichtige Geschichte

Eine total unwichtige Geschichte Ottofoto
Vor nunmehr 19 Jahren veränderte eine „Zufallsbekanntschaft“ unser Familienleben nachhaltig.


An einem kalten Dezember-Abend verließen meine Frau und ich eine Tankstelle und als wir am „Cipsregal“ vorbeikamen, raschelte es verdächtig. Unsere Frage nach Mäusen beantwortete die Verkäuferin mit einem lächelnden Nein und der besorgten Aussage, ob es vielleicht das kleine Katzerl sei, welches aus dem Motorraum eines kroatischen Kunden gesprungen ist, als dieser Frostschutzmittel nachfüllte. Der gute Mann hatte keine Ahnung von seinem „blinden Passagier“ und das Tier verschwand sofort in der Dunkelheit. Unsere Nachschau hinter den Chips und Salzstangerln brachte ein kleines, graubraunes, nach Öl und Stall riechendes Fellknäuel zu Tage. Zitternd und pfauchend wurde das kleine Ding in eine Schachtel bugsiert und es begannen die Beratungen was nun geschehen sollte. Als letzte von wenigen Varianten blieb uns folgende.

Eine Fahrt zur Schwester um einen Katzenkäfig, eine Futterration und ein Katzenklo.
Danach samt Katze nach Hause, mit dem schlechten Gefühl, das Viecherl am nächsten Tag ins Tierheim bringen zu müssen. Doch diese Idee war in dem Augenblick Geschichte, als unser Sohn (damals 11 Jahre) das Tierchen aus dem Käfig hob und dieses zu miauen begann.
Ein ca. eine Minute dauernder Familienrat ergab eine eindeutige Entscheidung: 3 zu 0 für die Katze.

Auch wenn sie dadurch zur Wohnungskatze „degradiert“ würde (mitten in Liezen im 3.Stock) und der schon hier wohnende Nymphensittich und das Aquarium unwiderstehliche Verlockungen darstellen werden, sollte „Niki“ (spontan durchgeführte Nottaufe vom Sohn) bei uns wohnen bleiben. Das Katzenklo wurde von Beginn an vorbildlich benutzt und gefressen wurde alles, was „serviert“ wurde. Reinigungsversuche in der Badewanne endeten mit Verletzungen an den Armen sämtlicher Familienmitglieder, die einem Grizzly alle Ehre gemacht hätten. Aber sie brachten ein dreifärbiges Fell zum Vorschein, ein Glückskatzerl also. Der Christbaum wurde zum Kletterbaum, das Aquarium zum Fernseher und der Tierarzt zum erklärten Feind, nachdem Entwurmen, entmilben, sterilisieren und alle notwendigen Untersuchungen absolut nicht die Zustimmung unserer „kroatischen Kampfkatze“ (persönliche Einschätzung) fanden. Auch Streicheln und kuscheln waren nicht unbedingt erwünschte Handlungen von Menschenhand. Reichlich Futter genügte.

Nach 3 (!!) Jahren hörten wir erstmals ein Schnurren von unserem Tiger. Versuche, ein Miau von sich zu geben, waren eher selten und kläglich. Das Trauma der Reise im Motorraum war also doch größer als befürchtet. Übrigens ist der Mann, dem das passierte am nächsten Tag nochmals zur Tankstelle gefahren, hatte sich erkundigt und war sehr froh, dass sein blinder Passagier ein Zuhause gefunden hat.

Heute ist unsere Niki eine alte Dame, die von Rheuma geplagt jede überflüssige Bewegung meidet. Außer für regelmäßige Kontrollgänge zur Futterstelle, zum Mittagstisch, wenn die Kühlschranktüre, die Mikrowelle oder Schneidegeräusche aus der Küche hörbar sind. Sonnenstunden am Balkon, Kuschelstunden beim Fernseher mit engem Körperkontakt zu Frauchen und Herrchen, verbunden mit lautem Schnurren sind normal. Und wenn jemand das Zimmer wechselt, muss irgendwann eine Kontrolle erfolgen. Bei ständigen Bedürfnissen wie Hunger (immer) und Durst (immer öfter) kann man laute Miau-ähnliche Laute vernehmen. Meine Frau, behauptet, dass sich die Katze diese Angewohnheiten „von jemandem abgeschaut“ haben muss. Der Sohn wohnt übrigens schon jahrelang nicht mehr bei uns, also fällt der Verdacht auf mich.
Die Urlaubsbetreuung (von Freundin und Enkelsohn) während unserer langen Abwesenheit wird akzeptiert und beim Wiedersehen ist keine Spur von beleidigter Leberwurst zu erkennen. Im Gegenteil. Unglaublich wie dieses Tier ihre Freude und Zuneigung ausdrücken kann.

Und wozu war das jetzt gut?
Vielleicht, um sie lieber Leser ein paar Minuten von der derzeitigen Lebenssituation zwischen Langeweile, Frust, Unsicherheit und Ärger abzulenken.
Wenn das gelungen ist und ihnen ein Schmunzeln ins Gesicht gezaubert hat, war diese Geschichte gar nicht so unnötig, wie in der Überschrift bezeichnet.
Schönen Tag noch und genießen sie die kleinen Nebensächlichkeiten, für die im Normalfall keine Zeit übrigbleibt.

Otto S.

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