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Zwischen Religionsfreiheit und klaren Grenzen

Kopftuchverbot, Integration und politischer Islam: Beim fünften SteirerTalk in Graz trafen unterschiedliche Sichtweisen aufeinander. Schulleiterin Barbara Gmeiner, Imam Fikret Fazlić und Schulleiter Christian Klar diskutierten vor mehr als 100 Gästen über Religion, Schule, gesellschaftliches Zusammenleben und die Grenzen der Religionsfreiheit.
Steiermark – „Politischer Islam – wie viel Religion verträgt unsere Gesellschaft?“ Unter diesem Titel stand am Mittwoch, 30. September 2026, der fünfte SteirerTalk in der Landesparteizentrale der Steirischen Volkspartei am Grazer Karmeliterplatz.
Mehr als 100 Zuhörerinnen und Zuhörer verfolgten die rund 90-minütige Diskussion. Auf dem Podium saßen Barbara Gmeiner, Direktorin der Grazer Volksschule Bertha von Suttner, Fikret Fazlić, Imam des Islamischen Kulturzentrums Graz und ehemaliger Religionslehrer, sowie Christian Klar, Leiter der Franz-Jonas-Europaschule in Wien. Eröffnet wurde die Veranstaltung von Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom.
Schule als Brennpunkt gesellschaftlicher Fragen
Einen Schwerpunkt bildete die Frage, wie Schulen mit religiös geprägten Konflikten umgehen. Gmeiner berichtete, dass solche Auseinandersetzungen auch im Schulalltag vorkämen. Beim Kopftuchverbot für Schülerinnen unter 14 Jahren gehe es aus ihrer Sicht weniger um das Kleidungsstück selbst als um gesellschaftliche und familiäre Strukturen, die dahinterstehen könnten.
Auch Klar sprach sich in der Diskussion für klare Regeln im Schulalltag aus. Schule müsse ein Ort sein, an dem für alle Schülerinnen und Schüler nachvollziehbare Vorgaben gelten. Nach seiner Wahrnehmung habe die neue Regelung Auswirkungen auf das Zusammenleben an seiner Schule.
Eine andere Sichtweise brachte Imam Fazlić ein. Er bezeichnete gesellschaftliche Vielfalt als Chance und betonte zugleich, dass zwischen strafbaren Handlungen und der verfassungsrechtlich geschützten Religionsfreiheit unterschieden werden müsse. Das Kopftuchverbot sieht er kritisch. Jungen Menschen müsse ausreichend Raum gegeben werden, ihre eigene religiöse und persönliche Identität zu entwickeln.
Wo endet Religionsfreiheit, wo beginnt politischer Einfluss?
Kontrovers diskutiert wurde auch die Forderung nach einem verfassungsgesetzlichen Verbot des politischen Islams. Klar plädierte dabei für klare Grenzen, sobald religiöse Vorstellungen das friedliche gesellschaftliche Zusammenleben beeinträchtigten.
Fazlić hielt dagegen, dass Verbote allein patriarchale Strukturen nicht aufbrechen könnten. Einen wesentlichen Schlüssel sieht er vielmehr in Bildung und in der Schule als freiem und sicherem Ort. Gleichzeitig müsse zunächst klar definiert werden, was unter dem Begriff „politischer Islam“ konkret verstanden werde.
Gmeiner verwies wiederum auf Erfahrungen aus dem Schulalltag. Konflikte würden nicht nur von Jugendlichen, sondern teilweise auch aus deren familiärem Umfeld in die Schulen getragen. Aus ihrer Sicht brauche es deshalb klare Grenzen und Regeln für das gemeinsame Zusammenleben.
Unterschiedliche Positionen offen diskutiert
Landesgeschäftsführer Georg Preßler erklärte, die Steirische Volkspartei wolle mit dem SteirerTalk einen Raum schaffen, in dem auch schwierige gesellschaftliche Fragen offen diskutiert werden können.
Der Abend zeigte vor allem eines: Bei Themen wie Religion, Integration, Schule und gesellschaftlichen Regeln liegen die Positionen teilweise weit auseinander. Gleichzeitig bot die Diskussion Gelegenheit, unterschiedliche Erfahrungen und Argumente unmittelbar gegenüberzustellen.
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