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lassinger sommergaudi2017

Mordsmäßige Unterhaltung im Ausseer Fasching

Herbert Dutzler Herbert Dutzler
„Es war überhaupt ein Kreuz mit der Wirklichkeit.

Wer konnte wissen, ob sie tatsächlich so war, wie man sie wahrnahm? Niemand. Man selber am allerwenigsten“, sinniert der Gasperlmaier gegen Ende von „Letzter Fasching“, bei sich, nachdem er im Ausseer Krankenhaus einem Verhör beiwohnte, das die Frau Doktor Kohlross gerade im Krankenzimmer geführt hatte.

Aber bis es so weit ist, haben der Gasperlmaier, seine Kollegin Manuela und besagte Chefinspektorin Kohlross jede Menge, zum Teil hochprozentige, Ermittlungsarbeiten in den Wirren des Ausseer Faschings zu führen.

Nach einem anonymen Brief, indem gedroht wird ein Trommelweib zu ermorden, muss Gasperlmaier zum Trommelweib werden und bei diesem hochgeistigen Umzug durch Bad Aussee mitmarschieren. Freude hat er damit keine, weil das ganze Faschingsgedöns dem gemütlichen Bezirksinspektor eigentlich zuwider ist. Aber wenn die Frau Doktor befiehlt, dann muss er eben mit. Nach einigen Bieren und Schnäpsen verliert Gasperlmaier die Übersicht über die Aufsichtspflicht und während er sein wohlverdientes paar Würstel und ein Bier im Foyer einer Bank einnimmt, wird gegenüber im öffentlichen WC ein Trommelweib erstochen.

Aber wie hätte er das verhindern sollen, bei siebzig Mannsbildern die mit einer Larve maskiert in Frauenkleidern, gut angeheitert vor der Bank standen. Er konnte ja nicht jeden Einzelnen beschatten.

Schnell wird ermittelt, dass das Mordopfer, ein Chefkoch eines Bio-Hotels, in dubiose Machenschaften verstrickt war. Anstatt Bio-Hühner sollen er und die Chefin des Hotels, günstige Hühner aus Polen gekauft und als Bio-Hühner verkocht haben. Als auch die Chefin ermordet in einem Stadel hängt, vermuten Gasperlmaier und die Frau Doktor, dass sich die Beiden eventuell mit der polnischen Hühnermafia angelegt haben. Jedoch mehren sich auch Indizien, dass der Koch sich mit seinem umtriebigen Liebesleben ein paar Feinde, sowohl weibliche als auch männliche geschaffen haben könnte.

Überhaupt hat die Frau Doktor so ihre Probleme mit dem Verhören, da der Ausseer gemeinhin in den „Heiligen-Drei-Foschingtog“ dem übermäßigen Alkoholkonsum nicht abgeneigt und dem sich sinnhaft Artikulieren weniger zugeneigt ist. Und als sie einen finden, dem sie ein paar Brocken entlocken können, macht sich der gleich tatverdächtig und kollabiert während der Befragung. Jetzt haben der Gasperlmaier und die Frau Doktor auch noch die Schablinger Maggy von der Schillingzeitung am Hals, die in ihrer Zeitung sofort einen großen Aufhänger über Polizeibrutalität lanciert. Was natürlich für die Ermittlungen nicht sonderlich hilfreich ist und Wellen bis hinauf ins Innenministerium schlägt.

Und da nicht immer alles gut ist, was von oben kommt, bekommt die Frau Chefinspektor vom Innenminister ordentlich eine auf den Deckel.

Die Frau Doktor Kohlross, ohnehin schon etwas fertig, weil sie sich nicht, so wie es sich gehört, um ihre kleine Tochter kümmern kann, piesackt in diesem Fall mitunter den Gasperlmaier arg. Der ist hin und hergerissen zwischen der aufreibenden Ermittlungsarbeit, der andauernden Kälte im Ausseerland und seinem steten Hunger nach einer guten Jause. Seit der Postenkommandant Friedrich in Pension gegangen ist und er dem Posten in Altaussee vorsteht, denkt er des Öfteren bei sich, dass jegliche Gemütlichkeit verloren gegangen ist. Gott sei Dank mischt der Friedrich in diesem Fall bald wieder mit, indem er den Gasperlmaier beim Schneiderwirt immer wieder mal mit Volksinterna versorgt – also wer mit wem und wann und so fort ...
Und plötzlich wird der Fall immer komplexer, was dem Gasperlmaier, trotz des kalten Februars, mitunter den Schweiß auf die Stirn treibt.

In keinem seiner fünf Fälle habe ich den Gasperlmaier und die Frau Doktor so intensiv ermitteln erlebt. Doch Autor Herbert Dutzler schafft es auch dieses Mal hervorragend, dass trotz intensivster Ermittlungsarbeit, der Schmäh rennt, dass man als Leser nicht auf die urig amüsanten Kommentare der Protagonisten verzichten muss. Dass die landschaftliche Schönheit des Ausseerlandes trotz des kalten Winters nicht zu kurz kommt. Und das auch die ruppig charmante Darstellung der mitunter eigenwillig bis eigensinnigen Ausseer wieder ihre Würdigung finden, in diesem 400 Seiten starken und grandios spannenden Altaussee-Krimi.

Da bleibt mir nur mehr eine absolute Leseempfehlung auszusprechen.

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